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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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hast wie SüßeS, das in Verdorbenheit überging; nichts riecht so schnöde wieeine verfaulte Lilie!"

Unter den deutschen Commentatoren des großen Dichters kann man denseligen Franz Horn nicht unerwähnt lassen. Seine Erläuterungen Shake-speare's sind jedenfalls die vollständigsten, und betragen fünf Bände. Esist Geist darin, aber ein so verwachsener und verdünnter Geist, daß er unsnoch unerquicklicher erscheint als die geistloseste Beschränktheit. Sonderbar,dieser Mann, der sich aus Liebe für Shakespeare sein ganzes Leben hindurchmit dem Studium desselben beschäftigte und zu seinen eifrigsten Anbetern ge-Hort, war ein schwachmatischer Pietist. Aber vielleicht eben das Gefühl seinereigenen Seelenmattigkeit erregte bei ihm ein beständiges Bewundern Shake-speare'scher Kraft, und wenn gar manchmal der brittische Titane in seinenleidenschaftlichen Scenen den Pelion auf den Ossa schleudert und bis zur Him-mclsburg hinanstürmt: dann fällt dem armen Erläutcrcr vor Erstaunen dieFeder aus der Hand, und er seufzt und flennt gelinde. Als Pietist müßte ereigentlich, seinem frömmelnden Wesen nach, jenen Dichter hassen, dessen Geist,ganz getränkt von blühender Götterlnst, in jedem Worte daS freudigste Hei-denthum athmet; er müßte ihn hassen, jenen Bekenner des Lebens, der, demGlauben des Todes heimlich abhold, und in de» süßesten Schauern alter Hel-denkraft schwelgend, von den traurigen Seligkeiten der Demuth und der Ent-sagung und der Kopfhängerei nichts wissen will! Aber er liebt ihn dennoch,und in seiner unermüdlichen Liebe möchte er den Shakespeare nachträglich zurwahren Kirche bekehren; er commentirt eine christliche Gesinnung in ihn hinein:sei es frommer Betrug oder Selbsttäuschung, diese christliche Gesinnung ent-deckt er überall in den Shakespeare'schen Dramen, und das fromme Wasserseiner Erläuterungen ist gleichsam ein Taufbad von fünf Bänden, welches erdem großen Heiden aus den Kopf gießt.

Aber, ich wiederhole es, diese Erläuterungen sind nicht ganz ohne Geist.Manchmal bringt Franz Horn einen guten Einfall zur Welt; dann schneideter allerlei langweilig süß-säuerliche Grimassen, und greint, und dreht sichund windet sich auf dem Gcbärstrchl des Gedankens; und wenn er endlich mitdem guten Einfall niedergekommen, dann betrachtet er gerührt die Nabelschnur,und lächelt erschöpft, wie eine Wöchnerin. Es ist in der That eine eben soverdrießliche wie kurzweilige Erscheinung, daß grade unser schwächlicher pietisti-schcr Franz den Shakespeare commentirt hat. In elnem Lustspiel von Grabbeist die Sache aufs ergötzlichste umgekehrt: Shakespeare, welcher nach dem Todein die Hölle gekommen, muß dort Erläuterungen zu Franz Horn's Werkenschreiben.

Wirksamer als die Glossen und die Erklärer« und das mühsame Lobhudelnder Commentatoren, war für die Popularisirung Shakespeare'» die begeisterte