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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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allen möglichen Veränderungen unterworfen, wie er heute etwas als äußerstwichtig verfechten muß, was ihm morgen ganz gleichgültig sein kann, wie erheute diese» Punkt, morgen einen andern zu beschützen oder anzugreifen hat, jenachdem es die Stellung der Gegenparthei, die wechselnden Allianzen, dieSiege oder die Niederlagen des Tages erfordern!

Das einzige Neue und Eigenthümliche, was ich in der oben erwähnten Ab-handlung des Herrn Gustav Pfizer gefunden habe, war hie und da nicht bloßeine listige Verkchrung des Wortsinnes meiner Schriften, sondern sogar dieFälschung meiner Worte selbst dieses ist neu, ist eigenthümlich, wenigstensbis jetzt hat man in Deutschland noch nicht einen Autor mit verfälschtenWorten citirt. Doch Herr Gustav Pfizer scheint noch ein junger Anfängerzu sein, es juckt ihm zwar die Begabniß des Fälschcns in den Fingern, dochmerkt man an ihm noch eine gewisse Befangenheit in der Ausübung, undwenn er z. B.Hostien" citirt statt der gewöhnlichenOblaten" des Ori-ginaltextes oder mehrmalsgöttlich" citirt statt des ursprünglichenvortreff-lich" so weiß er doch noch nicht recht welchen Gebrauch er von solcher Fäl-schung machen kann. Er ist ein junger Anfänger. Aber sein Talent istunläugbar, er hat es hinlänglich offenbart, die geziemendste Anerkennung darfihm nicht verweigert werden, er verdient, daß ihm Wolfgang Menzel, mitder tapferen Hand, seinen schäbigsten Lorbeerkranz aufs Haupt drückt.

Indessen, ehrlich gestanden, ich rathe ihm sein Talent nicht bedeutenderauszubilden. Es könnte ihn einst das Gelüste anwandeln jenes edle Talentauch aus außerliterärische Gegenstände anzuwenden. Es giebt Länder wodergleichen mit einem Halsband von Hanf belohnt wird. Ich sah zu Old-Baily in London Jemanden hängen, der ein falsches Citat unter einen Wechselgeschrieben hatte und der arme Schelm mochte es wohl aus Hunger gcthanhaben, nicht aus Büberei oder aus eitel Neid oder gar um eine kleine Lob-spcnde im stuttgarter Literaturblatt, ein literärischcs Trinkgeld, zu verdienen.Ich hatte deshalb Mitleid mit dem armen Schelm, bei dessen Exekution sehrviele Zögerungcn vorfielen. ES ist ein Jrrthum wenn Man glaubt, daß dasHängen in England so schnell von Statten gehe. Die Zubereitungen dauertenfast eine Viertelstunde. Ich ärgere mich noch heute, wenn ich daran denke,mit welcher Langsamkeit dem armen Menschen die Schlinge um den Hals ge-legt und die weiße Nachtmütze über die Augen gezogen wurde. Nebenihm standen seine Freunde, vielleicht die Genossen der Schule, wozu er gehörte,und harrten des Augenblicks, wo sie ihm den Liebesdienst erweisen konnten;dieser Liebesdienst besteht darin, daß sie den gehenkten Freund, um seinezuckende Todesqual abzukürzen, so stark als möglich an den Beinen ziehen.

Ich habe von Herrn Gustav Pfizer geredet, weil ich ihn, bei Besprechung derschwäbischen Schule, nicht füglich übergehen konnte. So viel darf ich versichern,