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digen. Die meisten schauten in die Gräber der Vergangenheit nur in der Ab-sicht, um sich ein interessantes Costum für den Carneval auszusuchen. DieMode des Gothischcn war in Frankreich eben nur eine Mode, und sie dientenur dazu, die Lust der Gegenwart zu erhöhen. Man läßt sich die Haare mit-telalterlich lang vom Haupte herabwallen, und bei der flüchtigsten Bemerkungdes Friseurs, daß es nicht gut kleide, läßt man es kurz abschneiden mitsammtden mittelalterlichen Ideen, die dazu gehören. Ach! in Deutschland ist dasanders. Vielleicht eben weil das Mittelalter dort nicht, wie bei Euch, gänzlichtodt und verwest ist.
Was ich in Betreff des Mittelalters im Allgemeinen angedeutet, findet aufdie Religion desselben eine ganz besondere Anwendung. Loyalität erfor-dert, daß ich eine Parthei, die man hier zu Land die katholische nennt, aufsallerbestimmteste von jenen deplorablen Gesellen, die in Deutschland diesenNamen führen, unterscheide. Nur von letzteren habe ich in diesen Blätterngesprochen, und zwar mit Ausdrücken, die mir immer noch viel zu gelinde dün-ken. ES sind die Feinde meines Vaterlandes, ein kriechendes Gesindel, heuch-lerisch, verlogen, und von unüberwindlicher Feigheit. Das zischelt in Berlin,daS zischelt in München, und während du aus dem Boulevard Montmartrewandelst, fühlst du plötzlich den Stich in der Ferse. Aber wir zertreten ihrdas Haupt, der alten Schlange. Es ist die Parthei der Lüge, es sind dieSchergen des Despotismus, die Restauratoren aller Misere, aller Greul undNarrethei der Vergangenheit. Wie himmelweit davon verschieden ist jeneParthei, die man hier die katholische nennt, und deren Häupter zu den talent-reichsten Schriftstellern Frankreichs gehören. Wenn sie auch nicht eben unsereWaffenbrüder sind, so kämpfen wir doch für dieselben Interessen, ncmlich fürdie Interessen der Menschheit. In der Liebe für dieselbe sind wir einig; wirunterscheiden uns nur in der Ansicht dessen, was der Menschheit frommt. Jeneglauben die Menschheit bedürfe nur des geistlichen Trostes, wir hingegen sindder Meinung, daß sie vielmehr des körperlichen Glückes bedarf. Wenn jenedie katholische Parthei in Frankreich, ihre eigne Bedeutung verkennend, sich alsdie Parthei der Vergangenheit, als die Restauratoren des Glaubens derselben,ankündigt, müssen wir sie gegen ihre eigne Aussage in Schutz nehmen. Dasachtzehnte Jahrhundert hat den Katholicismus in Frankreich so gründlich ckra-sirt, daß fast gar keine lebende Spur davon übrig geblieben, und daß derjenige,welcher den Katholicismus in Frankreich wieder herstellen will, gleichsam eineganz neue Religion predigt. Unter Frankreich verstehe ich Paris, nicht dieProvinz; denn was die Provinz denkt, ist eine ebenso gleichgültige Sache, alswas unsere Beine denken; der Kopf ist der Sitz unserer Gedanken. Mansagte mir, die Franzosen in der Provinz seien gute Katholiken; ich kann esweder bejahen noch verneinen; die Menschen welche ich in der Provinz fand.