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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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sahen alle aus wie Meilenzeiger, weiche ihre mehr oder minder große Entfer-nung von der Hauptstadt auf der Stirnc geschrieben trugen. Die Frauen dortsuchen vielleicht Trost im Christenthum weil sie nicht in Paris leben können.In Paris selbst hat das Christenthum seit der Revoluzion nicht mehr cxistirt,und schon früher hatte es hier alle reelle Bedeutung verloren. In einem ab-gelegenen Kirchwinkcl lag es lauernd, das Christenthum, wie eine Spinne,und sprang dann und wann hastig hervor, wenn es ein Kind in der Wiegeoder einen Greis im Sarge erhaschen konnte. Ja, nur zu zwei Perioden,wenn er eben zur Welt kam oder wenn er eben die Welt wieder verließ, gerietstder Franzose in die Gewalt des katholischen Priesters; während der ganzenZwischenzeit war er bei Vernunft und lachte über Weihwasser und Ochlung.Aber heißt das eine Herrschaft des KatholiciSmns? Eben weil dieser in Frank-reich ganz erloschen war, konnte er unter Ludwig XVIII. und Carl X., durchden Reitz der Neuheit, auch einige uneigennützige Geister für sich gewinnen.Der Katholicismus war damals so etwas Unerhörtes, so etwas Frisches, soetwas Ueberraschendes! Die Religion, die kurz vor jener Zeit in Frankreichherrschte, war die klassische Mythologie, und diese schöne Religion war demfranzösischen Volke von seinen Schriftstellern, Dichtern und Künstlern mitsolchem Erfolge gepredigt worden, daß die Franzosen zu Ende des vorigenJährhunderts, im Handeln wie im Gedanken, ganz heidnisch kostumirt Ware».Während der Revoluzion blühte die klassische Religion in ihrer gewaltigstenHerrlichkeit; es war nicht ein alexandrinisches Nachäffen, Paris war eine na-türliche Fortsetzung von Athen und Rom. Unter dem Kaiserreich erlosch wie-der dieser antique Geist, die griechischen Götter herrschten nur noch im Theater,und die römische Tugend besaß nur noch das Schlachtfeld; ein neuer Glaubewar aufgekommen und dieser resümirtc sich in dem Namen: Napoleon! DieserGlaube herrscht noch immer unter der Masse. Wer daher gesagt, das fran-zösische Volk sei irreligiös weil es nicht mehr an Christus und seine Heiligenglaubt, hat Unrecht. Man muß vielmehr sagen! die Irreligiosität der Fran-zosen besteht darin, daß sie jetzt an einen Menschen glauben, statt an die un-sterblichen Götter. Man muß sagen: die Irreligiosität der Franzosen bestehtdarin, daß sie nicht mehr an den Jupiter glauben, nicht mehr an Diana, nichtmehr an Minerva, nicht mehr an Venus. Dieser letzte Punkt ist zweifelhaft;so viel weiß ich, in Betreff der Grazien sind die Französinnen noch immer or-thodox geblieben.

Ich hoffe man wird diese Bemerkungen nicht mißverstehen; sie sollten jaeben dazu dienen den Leser dieses Buches vor einem argen Mißverständnissezu bewahren.