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Die Gedichte, die Herr Uhland in südlichen Vcrsartcn geschrieben, sind eben-falls den Sonetten, Assonanzen und Ottaverimen seiner Mitschüler von derromantischen Schule aufs innigste verwandt, und man kann sie nimmermehr,sowohl der Form als dem Tone nach, davon unterscheiden. Aber wie gesagt,die meisten jener Uhlandschen Zeitgenossen, mitsammt ihren Gedichten, gcra-then in Vergessenheit; letztere findet man nur noch mit Mühe in verschollenenSammlungen, wie der „Dichterwald," die „Sängerfahrt," in einigen Frauen-und Musenalmanachen, die Herr FouguS und Herr Ticck herausgegeben, inalten Zeitschriften, namentlich in Achim von Arnims „Trösteinsamkeit" undin der „Wllnschelruthe" redigirt von Heinrich Straube und Rudolph Chri-stian!, in den damaligen Tagesblättern und Gott weiß mehr wo!
Herr Uhland ist nicht der Vater einer Schule, wie Schiller oder Goethe odersonst so Einer, aus deren Individualität ein besonderer Ton hervordrang, derin den Dichtungen ihrer Zeitgenossen einen bestimmten Wicdcrhall fand.Herr Uhland ist nicht der Vater, sondern er ist selbst nur das Kind einer Schule,die ihm einen Ton überliefert, der ihr ebenfalls nicht ursprünglich angehört,sondern den sie aus früheren Dichterwcrkcn mühsam hervorgcquetscht hatte.Aber, als Ersatz für diesen Mangel an Originalität, an cigenthümlichcr Neu-heit, bietet Herr Uhland eine Menge Vortrcsslichkciten, die eben so herrlich wieselten sind. Er ist der Stolz des glücklichen Schwabenlandes und alle Genos-sen deutscher Zunge erfreuen sich dieses edlen Sängergemiithes. In ihm rc-sumircn sich die meisten seiner lyrischen Gespielen von der romantischen Schule,die das Publikum jetzt in dem einzigen Mann liebt und verehrt. Und wirverehren und lieben ihn jetzt vielleicht um so inniger, da wir im Begriffe sind,uns aus immer von ihm zu trennen.
6.
„Als nach langen Jahren Kaiser Otto III. an das Grab kam, wo KarlsGebeine bestattet ruhten, trat er mit zwei Bischöfen und dem Grafen vonLaumcl (der dieses alles berichtet hat) in die Höle ein. Die Leiche lag nicht,wie andere Todte; sondern saß aufrecht, wie ein Lebender auf einem Stuhl.Auf dem Haupte war eine Goldkrone, den Sceptcr hielt er in den Händen, diemit Handschuhen bekleidet waren, die Nägel der Finger hatten aber das Lcderdurchbort und waren herausgewachsen. - Das Gewölbe war aus Marmor undKalk sehr dauerhaft gemauert. Um hinein zu gelangen, mußte eine Ocffnunggebrochen werden; sobald man hineingelangt war, spürte man einen heftigenGeruch. Alle beugten sogleich die Knie, und erwiesen dem Todtcn Ehrerbie-