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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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Publikum. Und in der Thai, wenn man die Franc» der Uhland'schen Ge-dichte genau betrachtet, so sind es nur schöne Schatten, verkörperter Mond-schein, in den Adern Milch, in den Augen süße Thränen, nämlich Thränenohne Salz. Vergleicht man die Uhland'schen Ritter mit den Rittern deralten Gesänge, so kommt es uns vor, äls beständen sie aus Harnischen vonBlech, worin lauter Blumen stecken, statt Fleisch und Knochen. Die Uhland-schcn Ritter duften daher für zarte Nase» weit minniglicher als die alten Käm-pen, die recht dicke eiserne Hosen trugen und viel fraßen und noch mehr soffen.

Aber das soll kein Tadel sein. Herr Uhland wollte uns keineswegs inwahrhafter Copep die deutsche Vergangenheit vorfuhren, er wollte uns viel-leicht nur durch ihren Widerschein ergötzen; und er ließ sie freundlich zurück-spiegeln von der dämmernden Fläche seines Geistes. Dieses mag seinenGedichten vielleicht einen besondern Reiz verleihen und ihnen die Liebe vielersanften und guten Menschen erwerben. Die Bilder der Vergangenheit übenihren Zauber selbst in der mattesten Beschwörung. Sogar Männer, die fürdie moderne Zeit Parthei gefaßt, bewahren immer eine geheime Sympathiefür die Ueberlicferungen alter Tage; wunderbar berühren uns diese Geister-stimmen selbst in ihrem schwächsten Nachhall. Und es ist leicht begreiflich, daßdie Balladen und Romanzen unseres vortrefflichen UHIands, nicht blos beiPatrioten von 1813, bei frommen Jünglingen und minniglichen Jungfrauen,sondern auch bei manchen Höhergekräftigten und Neudcnkenden den schönstenBeifall finden.

Ich habe bei dem Wort Patrioten die Jahrzahl 4813 hinzugefügt, um sievon den heutigen Vaterlandsfreunden zu unterscheiden. Jene älteren Pa-trioten müssen an der Uhland'schen Muse das süßeste Wohlgefallen finden,da die meisten seiner Gedichte ganz von dem Geiste ihrer Zeit geschwängertsind, einer Zeit, wo sie selber noch in Jugendgcfllhlen und stolzen Hoffnungenschwelgten. Diese Vorliebe für Uhlands Gedichte überlieferten sie ihrenNachbetern, und den Jungen auf den Turnplätzen ward es einst als Patrio-tismus angerechnet, wenn sie sich Uhlands Gedichte anschafften. Sie fandendarin Lieder die selbst Mar von Schenkendorf und Herr Ernst Moritz Arndtnicht besser gedichtet hätten. Und in der That, welcher Enkel des biderbenArminius und der blonden Thusnelda wird nicht befriedigt von dem Uhland-schen Gedichte:

Vorwärts! fort und immerfort:

Rußland rief das stolze Wort:

Vorwärts!

Preußen hört das stolze Wort,

Hört es gern und hallt es fort:

Vorwärts!