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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
231
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mit Glockengeläut?, und das ewige Wehmuthgcwimmer, wie bitter ward esmir seitdem verleidet! Ja, einst war es anders. Wie oft, auf den Trum--mcrn des alten Schlosses zu Düsseldorf am Rhein, saß ich und dcklamirtcvor mich hin das schönste aller Uhlandschcn Lieder!

Der schöne Schäfer zog so nahVorüber am Königsschlvß;Die Jungfrau von der Zinne sah.Da war ihr Sehnen groß.

Sic rief ihm zu ein süßes Wort:O dürft ich zehn hinab zu Dir!Wie glänzen weiß die Lämmer dort.Wie roth die Blümlein hier!"

Ter Jüngling ihr entgegcnbot:O kämest du herab zu mir!Wie glänzen so die Wänglein roth,Wie weiß die Arme dir!"

Und als er nun mit stillem WehIn jeder Früh vorübcrtrieb:

Da sah er hin, bis in der HöhErschien sein holdes Lieb.

Dann rief er freundlich ihr hinauf:Willkommen, Königstöchtcrlein!"Ihr süßes Wort ertönte drauf:Viel Dank, du Schäfer mein!"

Der Winter floh, der Lenz erschien.Die Blümlein blühten reich umher,Der Schäfer thät zum Schlosse ziehn,Doch Sie erschien nicht mehr.

Er rief hinauf so klagevoll:Willkommen, Königstöchterlein!"Ein Geistcrlaut herunter scholl:Ade, du Schäfer mein!"

Wenn ich nun auf den Ruinen des alten Schlosses saß und dieses Lieddcklamirte, hörte ich auch wohl zuweilen wie die Nircn im Rhein, der dortvorbciflicßt, meine Worte nachäfften, und das seufzte und das stöhnte aus denFluten mit komischem Pathos: