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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Mißduft verleidet uns am Ende noch die Erinnerung an die schönsten undedelsten Kaiser des dcntschcn Vaterlandes. Und die Polizei hemmt nicht solchenFrevel? Wenn sie nicht gar selbst die Hand im Spiel hat. Neue, empor-strebende Rcgcntcnhäuscr lieben nicht bei dem Volke die Erinnerung an diealten Kaiscrstämme, an deren Stelle sie gern treten möchten. Nicht bei Jm-mermann, nicht bei Grabbe, nicht einmal bei Herrn Uichtritz, sondern bei demHerrn Raupach, wird die berliner Thcatcrintendanz einen Barbarossa be-stellen. Aber streng bleibt es Herrn Raupach untersagt einen Hohenzollcrnunter den Sattel zu stecken; sollte es ihm einmal danach gelüsten, so würdemau ihm bald die Hausvogtei als Helikon anweisen.

Die Jdecnassoziazion, die durch Coutraste entsteht, ist Schuld daran, daßich, indem ich von Herrn Nhland reden wollte, plötzlich auf Herrn Raupachund Madame Birch-Pfeifer gcrieth. Aber obgleich dieses göttliche Paar,unsere Theaterdiana noch viel weniger als unser Thcatcrapoll, nicht zur eigent-lichen Literatur gehört, so mußte ich doch einmal von ihnen reden, weil sie diejetzige Bretterwelt reprascntiren. Auf jeden Fall war ich es unseren wahren^ Poeten schuldig, mit wenigen Worten in diesem Buche zu erwähnen, vonwelcher Natur die Leute sind, die bei uns die Herrschast der Bühne usurpiren.

5.

Ich bin in diesem Augenblick in einer sonderbaren Verlegenheit. Ich darfdie Gedichtesammlung des Herrn Ludwig Uhland nicht unbesprochcn lassen,und dennoch befinde ich mich in einer Stimmung, die keineswegs solcher Be-sprechung günstig ist. Schweigen könnte hier als Feigheit oder gar als Pcrfidieerscheinen, und ehrlich offne Worte konnten als Mangel an Nächstenliebe ge-deutet werden. In der That, die Sippen und Magen der Uhlandschen Museund die Hintersassen seines Ruhmes werde ich mit der Begeisterung, dir mirheute zu Gebote steht, schwerlich befriedigen. Aber ich bitte Euch, Zeit undOrt, wo ich dieses niederschreibe, gehörig zu ermessen. Vor zwanzig Jahren,ich war ein Knabe, ja damals, mit welcher überströmenden Begeisterung hatteich den vortrefflichen Uhland zu feiern vermocht! Damals empfand ich seineVortrcfflichkeit vielleicht besser als jetzt; er stand mir näher an Empfindungund Denkvermögen. Aber so vieles hat sich seitdem ereignet! Was mir soherrlich dünkte, jenes chcvalercSke und katholische Wesen, jene Ritter die imadlichcn Turnei sich hauen und stechen, jene sanften Knappen und sittigenEdclfrauen, jene Nordlandshclden und Minnesänger, jene Mönche und Non-nen, jene Vätergrüfte mit Ahnungsschauern, jene blassen Entsagungsgefllhle