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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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vergleichbar. Was ihre reale Stellung betrifft, so ist letztere als kaiserl. öst-rcichische Hofschauspiclerin iu Wicu, und crstcrer als königl. preußischer Thea-terdichter in Berlin angestellt. Die Dame hat schon eine Menge Dramengeschrieben worin sie selber spielt. Ich kann nicht umhin hier einer Erschei-nung zu erwähnen, die den Franzosen fast unglaublich vorkommen wird: einegroße Anzahl unserer Schauspieler sind auch dramatische Dichter und schreibensich selbst ihre Stücke. Man sagt Herr Ludwig Tieck habe, durch eine unvor-sichtige Aeußcrung, dieses Unglück veranlaßt. In seinen Cirkeln bemerkte erncmlich: daß die Schauspieler i» einem schlechten Stücke immer besser spielenkönnen, als in einem guten Stücke. Fußend auf solchem Axiom griffen dieComödiantcn schaarcnweiS zur Feder, schrieben Trauerspiele und Lustspieledie Hülle und Fülle, und es wurde uns manchmal schwer zu entscheiden: dich-tete der eitle Comödiant sein Stück absichtlich schlecht, um gut darin zu spie-len? oder spielte er schlecht in so einem selbstverfertigten Stücke, um uns glau-ben zu machen das Stück sei gut? Der Schauspieler und der Dichter, diebisher in einer Art von kollegialischem Verhältnisse standen, (ungefähr wieder Scharfrichter und der arme Sünder) traten jetzt in offne Feindschaft.Die Schauspieler suchten die Poeten ganz vom Theater zu verdrängen, unterdem Vorgeben: sie verständen nichts von den Anforderungen der Brettcrwclt,verständen nichts von drastischen Effekten und Thcaterkoups, wie nur der Schau-spieler sie in der Praxis erlernt und sie in seinen Stücken anzubringen weiß.Die Comödianten, oder wie sie sich am liebsten nennen, die Künstler spieltendaher vorzugsweise in ihren eignen Stücken oder wenigstens in Stücken, dieeiner der Ihrigen, ein Künstler, verfertigt hatte. In der That, diese entspra-chen ganz ihren Bedürfnissen; hier fanden sie ihre Licblingscostumc, ihre fleisch-farbige Trikotpocsie, ihre applaudirtcn Abgänge, ihre herkömmlichen Grimas-sen, ihre Flittergold-Redensarten, ihr ganzes affectirtes Kunstzigeuncrthum:eine Sprache, die nur aus den Brettern gesprochen wird, Blumen, die nurdiesem erlogenen Boden entsprossen, Früchte, die nur am Lichte der Orchcster-lampe gereift, eine Natur worin nicht der Odem Gottes, sondern des Souf-fleurs weht, kulisscuerschiitternde Tobsucht, sanfte Wchmuth mit kitzelnderFlötcnbcgleitung, geschminkte Unschuld mit Lasterverscnkungen, Monatsgagen-gefühle, Trompetcntusch u. f. w.

Solchermaßen haben die Schauspieler in Deutschland sich von den Poetenund auch von der Poesie selbst emauzipirt. Nur der Mittelmäßigkeit erlaubtensie noch, sich auf ihrem Gebiete zu produzircn. Aber sie geben genau Acht,daß es kein wahrer Dichter ist, der, im Mantel der Mittelmäßigkeit, sich beiihnen eindrängt. Wie viel Prüfungen hat Herr Raupach überstehen müssen,ehe es ihm gelang, auf dem Theater Fuß zu fassen! Und noch jetzt haben sieein waches Auge auf ihn, und wenn er mal ei» Stück schreibt, das nicht