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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
227
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dersSigurd, dcr Schlangentödter" ist ein kühnes Werk, worin die altscan-dinavische Hcldenstrge mit all ihrem Niesen- und Zaubcrwcsen sich abspiegelt.Die Hauptperson des Dramas, dcr Sigurd, ist eine ungeheure Gestalt. Erist stark wie die Felsen von Norweg und ungestüm wie das Meer, das sie um-rauscht. Er hat so viel Muth wie hundert Löwen und so viel Verstand wiezwei Esel.

Herr Fouqus hat auch Lieder gedichtet. Sic sind die Lieblichkeit selbst. Siesind so leicht, so bunt, so glänzend, so heiter dahin flatternd; es sind süße ly-rische Kolibri.

Der eigentliche Liederdichter aber ist Herr Ludwig Uhland, dcr geboren zuTübingen im Jahr 1737 seht als Advokat in Stuttgart lebt. Dieser Schrift-steiler hat einen Band Gedichte, zwei Tragödien und zwei Abhandlungen überWalter von der Vogelweidc und über französische Troubadurcn geschrieben.ES sind zwei kleine historische Untersuchungen und zeugen von fleißigem Stu-dium des Mittelalters. Die Tragödien heißenLudwig dcr Bayer" undHerzog Ernst von Schwaben." Ersterc habe ich nicht gelesen; ist mir auchnicht als die vorzüglichere gerühmt worden. Die zweite jedoch enthält großeSchönheiten und erfreut durch Adel der Gefühle und Würde dcr Gesinnung.Es weht darin ein süßer Hauch dcr Poesie, wie er in den Stücken, die jetzt ausunserem Theater so viel Beifall ärndten, nimmermehr angetroffen wird.Deutsche Treue ist das Thema dieses Dramas, und wir sehen sie hier, starkwie eine Eiche, allen Stürmen trotzen; deutsche Liebe blüht, kaum bemerkbar,in der Ferne, doch ihr Veilchcnduft dringt uns um so rührender ins Herz.Dieses Drama, oder vielmehr dieses Lied, enthält Stellen, welche zu den schön-sten Perlen unserer Literatur gehören. Aber das Theatcrpublikum hat dasStück dennoch mit Indifferenz aufgenommen oder vielmehr abgelehnt. Ichwill die guten Leute des Parterres nicht allzubittcr darob tadeln. Diese Leutehaben bestimmte Bedürfnisse, deren Befriedigung sie vom Dichter verlangen.Die Produkte des Poeten sollen nicht eben den Sympathien seines eignen Her-zens, sondern viel eher dem Begehr des Publikums entsprechen. Dieses letz-tere gleicht ganz dem hungrigen Beduinen in dcr Wüste, dcr einen Sack mitErbsen gefunden zu haben glaubt und ihn hastig öffnet: aber ach! es sindnur Perlen. Das Publikum verspeist mit Wonne des Herrn Raupachsdürre Erbsen und Madame Birch-Pfcifcrs Saubohnen; Uhlands Perlen fin-det es ungenießbar.

Da die Franzosen höchstwahrscheinlich nicht wissen wer Madame Birch-Psciscr und Herr Raupach ist, so muß ich hier erwähnen, daß dieses göttlichePaar, geschwisterlich neben einander stehend, wie Apoll und Diana, in denTempeln unserer dramatischen Kunst am meisten verehrt wird. Ja, HerrRaupach ist eben so sehr dem Apoll wie Madame Birch-Pfcifcr der Diana