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Fleisch noch Vernunft. Seine Frauenbilder sind nur Bilder, oder vielmehrnur Puppen, deren goldne Locke» gar zierlich hcrabwallcn, über die anmuthi-gen Blumengesichter. Wie die Werke von Walter Scott mahnen auch dieFouqusschcn Rittcrromane an die gewirkten Tapeten, die wir Gobelins nen-nen, und die durch reiche Gestaltung nnd Farbenpracht mehr unser Auge alsunsere Seele ergötzen. Das sind Nitterfeste, Schäfcrspicle, Zweikampfe, alteTrachten, alles recht hübsch neben einander, abenteuerlich ohne tieferen Sinn,bunte Oberflächlichkeit. Bei den Nachahmern Fouquss wie bei den Nach-ahmern des Walter Scott ist diese Manier, statt der inneren Natur der Men-schen nnd Dinge nur ihre äußere Erscheinung und das Costum zu schildern,noch trübseliger ausgebildet. Diese flache Art und leichte Weise grassirt heu-tigen Tages in Deutschland eben so gut wie in England und Frankreich.Wenn auch die Darstellungen nicht mehr die Rittcrzcit verherrlichen, sondernauch unsere modernen Zustände betreffen, so ist es doch noch immer die vorigeManier, die statt der Wesenheit der Erscheinung nur das Zufällige derselbenauffaßt. Statt Mcnschcnkcnntniß bekunden unsere neueren RomanziörS bloßKleidcrkcnntniß, und sie fußen vielleicht auf dem Sprüchwort: Kleider machenLeute. Wie anders die älteren Nomanenschreiber, besonders bei den Englän-dern. Richardson giebt uns die Anatomie der Empfindungen. Goldsmidtbehandelt pragmatisch die Hcrzensakzioncn seiner Helden. Der Verfasser desTristram Shandy zeigt uns die verborgensten Tiefen der Seele; er öffnet eineLücke der Seele, erlaubt uns einen Blick in ihre Abgründe, Paradiese undSchmutzwinkel, und läßt gleich die Gardine davor wieder fallen. Wir habenvon vorn in das seltsame Theater hineingeschaut, Beleuchtung und Perspek-tive hat ihre Wirkung nicht verfehlt, und indem wir das Unendliche geschautzu haben meinen, ist unser Gefühl unendlich geworden, poetisch. Was Ficl-ding betrifft, so führt er uns gleich hinter die Kulissen, er zeigt uns die falscheSchminke aus allen Gefühlen, die Plumpesten Springfedern der zartestenHandlungen, das Kolophonium, das nachher als Begeisterung aufblitzen wird,die Pauke worauf noch friedlich der Klopfer ruht, der späterhin den gewaltig-sten Donner der Leidenschaft daraus hcrvortrommeln wird; kurz, er zeigt unsjene ganze innere Machinerie, die große Lüge, wodurch uns die Menschen an-ders erscheinen als sie wirklich sind, und wodurch alle freudige Realität desLebens verloren geht. Doch wozu als Beispiel die Engländer wählen, daunser Goethe, in seinem Wilhelm Meister, das beste Muster eines Romansgeliefert hat.
Die Zahl der Fouquckschen Romane ist Legion; er ist einer der fruchtbarstenSchriftsteller. „Der Zaubcrring" und „Thiodolph der Isländer" verdie-nen besonders rühmend angeführt zu werden. Seine metrischen Dramen,die nicht für die Bühne bestimmt sind, enthalten große Schönheiten. Beson-