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von der romantischen Schule ist, an dessen Schriften auch die niederen Klas-sen Geschmack gefunden. Während man in den ästhetischen ThcezirkelnBerlins über den heruntergekommenen Ritter die Nase rümpfte, fand ich, ineiner kleinen Harzstadt, ein wunderschönes Mädchen, welches von Fouquö mitentzückender Begeisterung sprach und crröthend gestand: daß sie gern ein Jahrihres Ledens dafür hingäbe, wenn sie nur einmahl den Verfasser der Undineküssen könnte. — Und dieses Mädchen hatte die schönsten Lippen, die ich je-mals gesehen.
Aber welch ein wundcrliedliches Gedicht ist die Undine! Dieses Gedichtist selbst ein Kuß! der Genius der Poesie küßte den schlafenden Frühling, unddieser schlug lächelnd die Augen auf, und alle Rosen dufteten und alle Nach-tigallen sangen, und was die Rosen dufteten und alle Nachtigallen sangen,das hat unser vortrefflicher Fouqus in Worte gekleidet und er nannte es:Undine.
Ich weiß nicht, ob diese Novelle ins Französische übersetzt worden. Es istdie Geschichte von der schönen Wafscrfee, die keine Seele hat, die nur dadurch,daß sie sich in einen Ritter verliebt, eine Seele bekömmt .... aber, ach! mitdieser Seele bekömmt sie auch unsere menschlichen Schmerzen, ihr ritterlicherGemahl wird treulos, und sie küßt ihn todt. Denn der Tod ist in diesemBuche ebenfalls nur ein Kuß.
Diese Undine könnte man als die Muse der Fougusschen Poesie betrachten.Obgleich sie unendlich schön ist, obgleich sie eben so leidet wie wir und irdischerKummer sie hinlänglich belastet, so ist sie doch kein eigentlich menschliches We-sen. Unsere Zeit aber stößt alle Luft- und Wasscrgebilde von sich, selbst dieschönsten, sie verlangt wirkliche Gestalten des Lebens, und am allerwenigstenverlangt sie Nixen, die in adelige Ritter verliebt sind. Das war es. Dieretrograde Richtung, das beständige Loblied auf den Geburtadel, die unauf-hörliche Verherrlichung des alten Feudalwesens, die ewige Nitterthümelei,mißbehagte am Ende den bürgerlich Gebildeten im deutschen Publikum, undman wandte sich ab von dem unzeitgemäßen Sänger. In der That, dieserbeständige Singsang von Harnischen, Turnicrrosscn, Burgfrauen, ehrsamenZunftmeistern, Zwergen, Knappen, Schloßkapellen, Minne und Glaube, undwie der mittelalterliche Trödel sonst heißt, wurde uns endlich lästig; und alsder ingeniöse Hidalgo Friedrich de la Motte Fouqu6 sich immer tiefer in seineRittcrbücher versenkte, und im Traume der Vergangenheit das Verständnis;der Gegenwart einbüßte: da mußten sogar seine besten Freunde sich kopfschüt-telnd von ihm abwenden.
Die Werke, die er in dieser späteren Zeit schrieb, sind ungenießbar.Die Gebrechen seiner früheren Schriften sind hier aufs höchste gesteigert.Seine Nittergcstaltcn bestehen nur aus Eisen und Gemllth; sie haben weder