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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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letzte Lampe der Lust erlosch im Gemüthe des vertrllbten Mannes, zu Wientrat er in den Orden der Ligorianer, und in der Sankt-Stcphanskirchc pre-digte er dort über die Nichtigkeit aller irdischen Dinge. Er hatte ausgefun-den, daß alles auf Erden eitel sei. Der Gürtel der Venus, behauptete erjetzt, sei nur eine haßliche Schlange, und die erhabene Juno trage unter ihremweißen Gewände ein paar hirschlcdcrne, nicht sehr reinliche Postilionshosen.Der Pater Zacharias kasteite sich jetzt und fastete und eiferte gegen unsere ver-stockte Wcltlust. Verflucht ist das Fleisch! schrie er so laut und mit so grellostprcußischcm Acccnt, daß die Heiligenbilder in Sankt Stephan erzittertenund die Wiener Griscttcn allerliebst lächelte». Außer dieser wichtigen Neuig-keit erzählte er den Leuten beständig: daß er ein großer Sünder sei.

Genau betrachtet, ist sich der Mann immer konsequent geblieben, nur daßer früherhin bloß besang, was er späterhin wirklich übte. Die Helden seinermeisten Dramen sind schon mönchisch entsagende Liebende, ascetische Wollüst-linge, die in der Abstinenz eine erhöhte Wonne entdeckt haben, die durch dieMarter des Fleisches ihre Genußsucht spiritualisircn, die in den Tiefen der re-ligiösen Mystik die schauerlichsten Seeligkcitcn suchen, heilige Uouss.

Kurz vor seinem Tode war die Freude an dramatischer Gestaltung noch ein-mal in Wcrnern erwacht, nnd er schrieb noch eine Tragödie, betitelt: die Mut-ter der Makkabäer. Hier galt es aber nicht den profanen Lebensernst mit ro-mantischen Späßen zu festoniren; zu dem heiligen Stoff wählte er auch einenkirchlich breitgezogenen Ton, die Rhythmen sind feierlich gemessen wie Glocken-gcläute, bewegen sich langsam wie eine Charfrcitagsprozession, und cS ist einepalestinasche Legende in griechischer Tragödienform. Das Stück fand wenigBeifall bei den Menschen hier unten; ob es den Engeln im Himmel besser ge-fiel, das weiß ich nicht. , >

Aber der Pater Zacharias starb bald darauf, Anfang des Jahres 1823,nachdem er über 51 Jahr auf dieser sündigen Erde gewandelt.

Wir lassen ihn ruhen, den Todten, und wenden uns zu dem zweiten Dich-ter des romantischen Triumvirats. Es ist der vortreffliche Freiherr Friedrichde la Motte Fouqus, geboren in der Mark Brandenburg im Jahr 1777 undzum Professor ernannt an der Universität Halle, im Jahr 1833. Früherstand er als Major im königl. Prcuß. Militärdienst und gehört zu den San-gcshelde» oder Heldcnsängern, deren Lcyer und Schwert, während dem soge-nannten Freiheitskriege, am lautesten erklang. Sein Lorbeer ist von ächterArt. Er ist ein wahrer Dichter und die Weihe der Poesie ruht auf seinemHaupte. Wenigen Schriftstellern ward so allgemeine Huldigung zu Thcil,wie einst unserem vortrefflichen Fouqus. Jetzt hat er seine Leser nur nochunter dem Publikum der Leihbibliotheken. Aber dieses Publikum ist im-mer groß genug, und Herr Fouqus kann sich rühmen, daß er der einzige