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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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von der Herzogin bis zur Wäscherin mit gleicher Lust gelesen wurde und alsdie Sonne der Leihbibliotheken stralte, war Herr Tieck nur die Astrallampe derTheegesellschaftcn, die, angcglänzt von seiner Poesie, bei der Vorlesung seinerNovellen, ganz seelenruhig ihren Thee verschluckten. Die Kraft dieser Poesiemußte immer desto mehr hervortretende mehr sie mit der Schwache des Thceskontrastirte, und in Berlin, wo man den mattesten Thee trinkt, mußte HerrTieck als einer der kräftigsten Dichter erscheinen. Während die Lieder unse-res vortrefflichen Uhland in Wald und Thal erschollen, und noch seht von wil-den Studenten gebrüllt und von zarten Jungfrauen gelispelt werden, ist keineinziges Lied des Herrn Tieck in unsere Seelen gedrungen, kein einziges Lieddes Herrn Ludwig Tieck ist in unserem Ohre geblieben, daS große Publikumkennt kein einziges Lied dieses großen Lyrikers.

Zacharias Werner ist geboren zu Königsberg in Preußen, den 18. Nov.1768. Seine Verbindung mit den Schlegeln war keine persönliche, sondernnur eine sympathetische. Er begriff in der Ferne was sie wollten, und thatsein Möglichstes in ihrem Sinuc zu dichten. Aber er konnte sich für dieRcstaurazion des Mittelalters nur einseitig, ncmlich nur für die hierarchischkatholische Seite desselben, begeistern; die feudalistische Seite hat sein Gcmüthnicht so stark in Bewegung gesetzt. Hierüber hat uns sein Landsmann T. A.Hossmann, in den ScrapionSbrlldern, einen merkwürdigen Aufschluß crtheilt.Er erzählt ncmlich, daß Werners Mutter gemüthskrank gewesen und währendihrer Schwangerschaft sich eingebildet, daß sie die Muttcrgottcs sei und denHeiland zur Welt bringe. Der Geist Werners trug nun, sein ganzes Lebenhindurch, das Muttcrmahl dieses religiösen Wahnsinns. Die entsetzlichsteNeligionsschwärmerci finden wir in allen seinen Dichtungen. Eine einzige,der Vierundzwanzigste Februar, ist frei davon und gehört zu den kostbarstenErzeugnissen unserer dramatischen Literatur. Sie hat, mehr als Wernersübrige Stücke, auf dem Theater den größten Enthusiasmus hervorgebracht.Seine anderen dramatischen Werke haben den großen Haufen weniger ange-sprochen, weil cS dem Dichter, bei aller drastischen Kraft, fast gänzlich an Kcunt-uiß der Thcaterverhältnisse fehlte.

Der Biograph Hoffmanns, der Herr Criminalrath Hitzig, hat auch Wer-ners Leben beschrieben. Eine gewissenhafte Arbeit, für den Psychologen ebenso interessant wie für den Literarhistoriker. Wie man mir jüngst erzählt, warWerner auch einige Zeit in Paris, wo er an den peripatctischen Philosophinnen,die damals des Abends im brillantesten Putz, die Gallerien des Palais-Royaldurchwandcltcn, sein besonderes Wohlgefallen fand. Sie liefen immer hinterihm drein, und neckten ihn, und lachten über seinen komischen Anzug und seinenoch komischeren Manieren. Das war die gute alte Zeit! Ach, wie dasPalais-royal so hat sich auch Zacharias Werner späterhin sehr verändert; die