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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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nicht ermessen werden kann. Er hat alle gute Eigenschaften, die wir bei denAutoren der vergangenen Periode finden und verbindet damit den apostolischenEiser des jungen Deutschlands. Dabei ist seine gewaltige Leidenschaft durchhohen Kunstsinn gemildert und verklärt. Er ist begeistert für das Schöneeben so sehr wie für das Gute; er hat ein seines Ohr und ein scharfes Augefür edle Form; und gemeine Naturen widern ihn an, selbst wenn sie alsKämpen für noble Gesinnung dem Vaterlandc nutzen. Dieser Kunstsinn,der ihm angeboren, schützte ihn auch vor der großen Verirrung jenes patrio-tischen Pöbels, der noch immer nicht aufhört, unseren großen Meister Goethezu verlästern und zu schmähen.

In dieser Hinsicht verdient auch ein anderer Schriftsteller der jüngsten Zeit,Herr Carl Gutzkow, das höchste Lob. Wenn ich diesen erst nach Laube er-wähne, so geschieht cS keineswegs weil ich ihm nicht eben so viel Talent zu-traue, noch viel weniger weil ich von seinen Tendenzen minder erbaut wäre;nein, auch Carl Gutzkow muß ich die schönsten Eigenschaften der schaffendenKraft und des urtheilenden Kunstsinnes zuerkennen, und auch seine Schriftenerfreuen mich durch die richtige Auffassung unserer Zeit und ihrer Bedürfnisse;aber in allem was Laube schreibt herrscht eine wcitaustönendc Ruhe, eineselbstbewußte Größe, eine stille Sicherheit, die mich persönlich tiefer anspricht,als die pitoreskc, farbcnschillerndc und stechend gewürzte Beweglichkeit des gutz-kowschen Geistes.

Herr Carl Gutzkow, dessen Seele voller Poesie, mußte eben so wie Laubesich zeitig von jenen Zeloten, die unseren großen Meister schmähen, aufs be-stimmteste lossagen. Dasselbe gilt von den Herren L. Wicnbarg und GustavSchlesien, zwei höchst ausgezeichneten Schriftstellern der jüngsten Periode, dieich hier, wo vom jungen Deutschland die Rede ist, ebenfalls nicht unerwähntlassen darf. Sie verdienen, in der That, unter dessen Chorführern genanntzu werden und ihr Name hat guten Klang gewonnen im Lande. Es ist hiernicht der Ort ihr Können und Wirken ausführlicher zu besprechen. Ich habemich zu sehr von meinem Thema entfernt; nur noch von Jean Paul will ichmit einigen Worten reden.

Ich habe erwähnt wie Jean Paul Friedrich Richter in seiner Hauptrichtungdem jungen Deutschland voranging. Dieses letztere jedoch, aufs Praktischeangewiesen, hat sich der abstrusen Verworrenheit, der barocken Darstellungsartund des ungenießbaren Stples der Jcan-Paul'schcn Schriften zu enthaltengewußt. Von diesem Stple kann sich ein klarer wohlrcdigirtcr französischerKopf nimmermehr einen Begriff machen. Jean Pauls Periodenbau bestehtaus lauter kleinen Stllbchcn, die manchmal so eng sind, daß wenn eine Ideedort mit einer anderen zusammentrifft, sie sich beide die Köpfe zerstoßen; obenan der Decke sind lauter Haken woran Jean Paul allerlei Gedanken hängt