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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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haben alte Klassiker kommentirt, und mochten uns jetzt einige Bewegunginachen.

Derselbe Grund, den ich oben angedeutet, verhindert mich mit gehörigerWürdigung einen Schriftsteller zu besprechen, über welchen Frau von Stadlnur flüchtige Andeutungen gegeben und auf welchen seitdem, durch die geist-reichen Artikel von Philareth Chalcs, das französische Publikum noch besondersaufmerksam geworden. Ich rede von Jean Paul Friedrich Nichter. Manhat ihn den Einzigen genannt. Ein treffliches Urtheil, das ich jetzt erst ganzbegreife, nachdem ich vergeblich darüber nachgesonnen, an welcher Stelle manin einer Literaturgeschichte von ihm reden müßte. Er ist fast gleichzeitig mitder romantischen Schule aufgetreten, ohne im mindesten daran Thcil zunehmen, und eben so wenig hegte er später die mindeste Gemeinschaft mit dergoethcscheu Kunstschule. Er steht ganz isolirt in seiner Zeit, eben weil er,im Gegensatz zu den beiden Schulen, sich ganz seiner Zeit hingegeben undsein Herz ganz davon erfüllt war. Sein Herz und seine Schriften wareneins und dasselbe. Diese Eigenschaft, diese Ganzheit finden wir auch bei denSchriftstellern des heutigen jungen Deutschlands, die ebenfalls keinen Unter-schied machen wollen zwischen Leben und Schreiben, die nimmermehr diePolitik trennen von Wissenschaft, Kunst und Religion, und die zu gleicherZeit Künstler, Tribüne und Apostel sind.

Ja, ich wiederhole das Wort Apostel, denn ich weiß kein bezeichnenderesWort. Ein neuer Glaube beseelt sie mit einer Leidenschaft, von welcher dieSchriftsteller der früheren Periode keine Ahnung hatten. Es ist dieses derGlaube an den Fortschritt, ein Glaube der aus dem Wissen entsprang. Wirhaben die Lande gemessen, die Naturkräfte gewogen, die Mittel der Industrieberechnet, und stehe wir haben ausgcfundcn: daß diese Erde groß genug ist;daß sie jedem hinlänglichen Raum bietet, die Hütte seines Glückes darauf zubauen; daß diese Erde uns alle anständig ernähren kann, wenn wir allearbeiten und nicht Einer aus Kosten des Anderen leben will; und daß wirnicht nöthig haben die größere und ärmere Klasse an den Himmel zu ver-weisen. Die Zahl dieser Wissenden und Gläubigen ist freilich noch gering.Aber die Zeit ist gekommen wo die Völker nicht mehr nach Köpfen gezähltwerden, sondern nach Herzen. Und ist das große Herz eines einzigen Hein-rich Laube nicht mehr Werth, als ein ganzer Thiergarten von Raupachcn undComödianten?

Ich habe den Namen Heinrich Laube genannt; denn, wie könnte ich vondem jungen Deutschland sprechen, ohne des großen flammenden Herzens zugedenken, das daraus am glänzendsten hervorleuchtet. Heinrich Laube, einerjener Schriftsteller, die seit der Juliusrevolution aufgetreten sind, ist fürTeutschland von einer socialen Bedeutung, deren ganzes Gewicht jetzt noch