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Furcht einzujagen. Es sind ernsthafte, furchtbare Larven, aber durch die Au-genlnckcn schauen fröhliche Kindcraugen. Wir Deutschen hingegen tragenzuweilen die freundlich jugendlichsten Larven, und aus den Augen lauscht dergreise Tod. Ihr seid ein zierliches, liebenswürdiges, vernünftiges und leben-diges Volk, und nur das Schöne und Edle und Menschliche liegt im BereicheEurer Kunst. Das haben schon Eure älteren Schriftsteller eingesehen, undIhr, die neueren, werdet am Ende ebenfalls zu dieser Einsicht gelangen. Laßtab vom Schauerlichen und Gespenstischen. Laßt uns Deutschen alle Schreck-nisse des Wahnsinns, des Fiebertraums und der Geistcrwelt. Deutschland istein gedeihlicheres Land für alte Hexen, tobte Bärenhäuter, Golems jedes Ge-schlechts, und besonders für Fcldmarschälle wie der kleine Cornelius Ncpos.Nur jenseits des Rheins können solche Gespenster gedeihen; nimmermehr inFrankreich. Als ich hiehcr reiste, begleiteten mich meine Gespenster bis an diefranzösische Grenze. Da nahmen sie betrübt von mir Abschied. Denn derAnblick der dreifarbigen Fahne verscheucht die Gespenster jeder Art. —
3.
Die Geschichte der Literatur ist eben so schwierig zu beschreiben wie die Na-turgeschichte. Dort wie hier hält man sich an die besonders hervortretendenErscheinungen. Aber wie in einem kleinen Wasserglas eine ganze Weltwunderlicher Thierchen enthalten ist, die eben so sehr von der Allmacht Gotteszeugen, wie die größten Bestien: so enthält der kleinste Musenalmanach zu-weilen eine Anzahl Dichterlinge, die dem stillen Forscher eben so interessantdünken, wie die größten Elcphantcn der Literatur. Gott ist groß !
Die meisten Literaturhistoriker geben unS wirklich eine Literaturgeschichtewie eine wohlgeordnete Menagerie, und immer besonders abgesperrt, zeigensie uns epische Säugedichter, lyrische Luftdichter, dramatische Wasserdichter,prosaische Amphibien, die sowohl Land- wie Sccromane schreiben, humori-stische Moluskcn u. s. w. Andere, im Gegcntheil, treiben die Literaturge-schichte pragmatisch, beginnen mit den ursprünglichen Mcnschheitsgefühlen,die sich in den verschiedenen Epochen ausgebildet und endlich eine Kunstformangenommen; sie beginnen ad ovo, wie der Gcschichtschreibcr, der den troja-nischen Krieg mit der Erzählung vom Ei der Lcda eröffnet. Und wie dieserhandeln sie thöricht. Denn ich bin überzeugt, wenn man das Ei der Lcda zueiner Omelette verwendet hätte, würden sich dennoch Hcktor und Achilles vordem Mischen Thore begegnet und ritterlich bekämpft haben. Die großenFakta und die großen Bücher entstehen nicht aus Geringfügigkeiten, sondern