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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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spruch in den Woricn! In dcm WortGespenst" liegt so viel Einsames,Mürrisches, Deutsches, Schweigendes, und in dcm WorteFranzösisch" liegthingegen so viel Geselliges, Artiges, Französisches, Schwatzendes! Wiekönnte ein Franzose ein Gespenst sein, oder gar wie könnten in Paris Gespen-ster eristircn! In Paris, im Foyer der europäischen Gesellschaft! Zwischenzwölf und ein Uhr, der Stunde, die nun einmal von jeher den Gespensternzum Spuken angewiesen ist, rauscht noch das lebendigste Leben in den Gassenvon Paris, in der Oper klingt eben dann das brausendste Finale, aus denVarietSs und dcm Gymnas strömen die heitersten Gruppen, und das wimmeltund tänzelt und lacht und schäkert auf den Boulevards, und man geht in dieSoiree. Wie müßte sich ein armes spukendes Gespenst unglücklich fühlen indieser heiteren Menschcnbcwegung! Und wie könnte ein Franzose, selbst wenner todt ist, den zum Spuken nöthigen Ernst beibehalten, wenn ihn von allenSeiten die bunteste Volkslust umjauchzt! Ich selbst, obgleich ein Deutscher,im Fall ich todt wäre und hier in Paris des Nachts spuken sollte, ich könntemeine Gespcnsterwürde gewiß nicht behaupten, wenn mir etwa an einer Stra-ßenecke irgend eine jener Göttinnen des Leichtsinns entgegenrennte, die einemdann so köstlich ins Gesicht zu lachen wissen. Gäbe es wirklich in Paris Ge-spenster, so bin ich überzeugt, gesellig wie die Franzosen sind, sie würden sichsogar als Gespenster einander anschließen, sie würden bald Gespcnstcrreiinionsbilden, sie würden ein Todtenkascehaus stiften, eine Todtcnzcitung heraus-geben, eine Pariser Todtenrevüc, und es gäbe bald Todtcnsoirces, l'on kora,cks la. musigug. Ich bin überzeugt, die Gespenster würden sich hier in Parisweit mehr amüsiren als bei uns die Lebenden. Was mich betrifft, wüßte ich,daß man solcherweise in Paris als Gespenst eristircn könnte, ich würde denTod nicht mehr fürchten. Ich würde nur maßregeln treffen, daß ich am Endeauf dcm Pöre-Lachaise beerdigt werde und in Paris spuken kann, zwischenzwölf und ein Uhr. Welche köstliche Stunde! Ihr deutschen Landsleute,wenn Ihr nach meinem Tode mal nach Paris kommt, und mich des Nachtshier als Gespenst erblickt, erschreckt nicht; ich spuke nicht in furchtbar unglück-lich deutscher Weise, ich spuke vielmehr zu meinem Vergnügen.

Da man, wie ich in allen Gespenstergeschichten gelesen, gewöhnlich an denOrten spuken muß, wo man Geld begraben hat, so will ich aus Vorsorge einigeSous irgendwo auf den Boulevards begraben. Bis jetzt habe ich zwar schonin Paris Geld todtgeschlagen, aber nie begraben.

O Ihr armen französischen Schriftsteller, Ihr solltet doch endlich einsehen,daß Eure Schauerromane und Spukgeschichten ganz unpassend sind für einLand, wo es entweder gar keine Gespenster giebt, oder wo doch die Gespensterso gesellschaftlich heiter wie wir anderen sich gehaben würden. Ihr kommtmir vor wie die Kinder, die sich Masken vorS Gesicht halten, um sich einander