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bcn nicht wenig; und sie konnte nur dcßhalb die Thurmtreppc nicht hinabstei-gen, weil sie am Schwindel litt.
Der zweite Roman von Arnim, „die Gräfin Dolores," hat ebenfalls denallervortrefflichsten Anfang, und der Verfasser schildert uns da die Poesie derArmnth und zwar einer adelichen Armuth, die er, der damals selber in großerDürftigkeit lebte, sehr oft zum Thema gewählt hat. Welch ein Meister istArnim auch hier in der Darstellung der Zerstörniß! Ich meine es immer vorAugen zu sehen, das wüste Schloß der jungen Gräfin Dolores, das um sowüster aussteht, da es der alte Gras in einem heiter italienischen Gcschmacke,aber nicht fertig gebaut hat. Nun ist es eine moderne Ruine, und im Schloß-garten ist alles verödet; die geschnittenen TaruSallecn sind struppig verwildert,die Bäume wachsen sich einander in den Weg, der Lorbeer und der Oleanderranken schmerzlich am Boden, die schonen großen Blumen werden von ver-drießlichem Unkraut umschlungen, die Göttcrstatucn sind von ihren Postamen-ten herabgefallen, und ein paar muthwillige Bettclbubcn kauern neben einerarmen Venus, die im hohen Grase liegt, und mit Brennesseln geiscln sie ihrden marmornen Hintern. Wenn der alte Gras, nach langer Abwesenheit,wieder in sein Schloß heimkehrt, ist ihm das sonderbare Benehmen seiner Haus-genossenschaft, besonders seiner Frau, sehr auffallend, es passirt bei Tische soallerlei Befremdliches, und das kommt wohl daher, weil die arme Frau vorGram gestorben und eben so wie das übrige Hausgesinde längst todt war.Der Gras scheint es aber am Ende selbst zu ahnen, daß er sich unter lauterGespenstern befindet, und, ohne sich etwas merken zu lassen, reist er in derStille wieder ab.
Unter Arnims Novellen dünkt mir die kostbarste seine „Jsabclla von Egyp-ten." Hier sehen wir das wanderschastliche Treiben der Zigeuner, die manhier in Frankreich ZZobsmioos, auch LZxxtisus nennt. Hier lebt und webtdas seltsame Mährchcnvolk mit seinen braunen Gesichtern, freundlichen Wahr-sageraugcn, und seinem wehmüthigen Geheimniß. Die bunte, gaukelndeHeiterkeit verhüllt einen großen mystischen Schmerz. Die Zigeuner müssenncmlich nach der Sage, die in dieser Novelle gar lieblich erzählt wird, eineZeit lang in der ganzen Weit hcrumwandeln, zur Abbüße jener ungastlichenHärte, womit einst ihre Vorfahren die heilige Muttcrgottes mit ihrem Kindeabgewiesen, als diese, aus ihrer Flucht in Egypten, ein Nachtlager von ihnenverlangte. Deßhalb hielt man sich auch berechtigt, sie mit Grausamkeit zubehandeln. Da man im Mittelalter noch keine Schellingschcn Philosophenhatte, so mußte die Poesie damals die Beschönigung der unwürdigsten undgrausamsten Gesetze übernehmen. Gegen niemand waren diese Gesetze bar-barischer als gegen die armen Zigeuner. In manchen Ländern erlaubten sie,jeden Zigeuner, bei Dicbstahlverdacht, ohne Untersuchung und Urthcl, aufzu-
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