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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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knüpfen. So wurde ihr Oberhaupt Michael, genannt Herzog von Egypten,unschuldig gehenkt. Mit diesem trüben Ercigniß beginnt die Arnimsche No-velle. Nächtlich nehmen die Zigeuner ihren tobten Herzog vom Galgen herab,legen ihm den rothcn Fürstcnmantel um die Schulter, setzen ihm die silberneKrone auf das Haupt und versenken ihn in die Scheide, fest überzeugt, daßihn der mitleidige Strom nach Hause bringt, nach dem geliebten Egypten.Die arme Zigeunerprinzcssin Jsabclla, seine Tochter, weiß nichts von diesertraurigen Begebenheit, sie wohnt einsam in einem verfallenen Hause an derScheide, und hört, des Nachts, wie es so sonderbar im Wasser rauscht, undsie sieht plötzlich wie ihr bleicher Vater hervortaucht, im purpurnen Todtcn-schmuck, und der Mond wirst sein schmerzliches Licht aus die silberne Krone.Das Herz des schönen Kindes will schier brechen vor unnennbarem Jammer,vergebens will sie den tobten Vater festhalten; er schwimmt ruhig weiter »achEgypten, nach seinem heimathlichen Wunderland, wo man seiner Ankunftharrt, um ihn in einer der großen Pyramiden nach Würden zu begraben.Rührend ist das Todtcnmal womit das arme Kind den verstorbenen Vater ehrt;sie legt ihren weißen Schleier über einen Feldstein, und daraus stellt sie Speißund Trank, welches sie feierlich genießt. Tief rührend ist alles was uns dervortreffliche Arnim von den Zigeunern erzählt, denen er schon an anderenOrten sein Mitleid gewidmet, z. B. in seiner Nachrede zumWunderhorn,"wo er behauptet, daß wir den Zigeunern so viel Gutes und Heilsames, na-mentlich die mehrsten unserer Arzneien verdanken. Wir hätten sie mit Un-dank verstoßen und verfolgt. Mit all ihrer Liebe, klagt er, hätten sie bei unskeine Heimath erwerben können. Er vergleicht sie in dieser Hinsicht mit denkleinen Zwergen, wovon die Sage erzählt, daß sie alles herbeischafften was sichihre großen starken Feinde zu Gastmälcrn wünschten, aber einmal für wenigeErbsen, die sie aus Noth vom Felde ablasen, jämmerlich geschlagen und aus demLande gejagt wurden. Das war nun ein wchmüthiger Anblick, wie die armenkleinen Menschen nächtlich über die Brücke wegtrappclten, gleich einer Schaf-herde, und jeder dort ein Münzchen niederlegen mußte, bis sie ein Faß damitfüllten.

Eine Ucbcrsctzung der erwähnten Novelle, Jsabella von Egypten, würdeden Franzosen nicht bloß eine Idee von Arnims Schriften geben, sondern auchzeigen, daß all die furchtbaren, unheimlichen, grausigen und gespenstischenGeschichten, die sie sich in der letzten Zeit gar mühsam abgcguält, in Verglci-chung mit Arnimschen Dichtungen, nur rosige Morgentränmc einer Opern-tänzcrin zu sein scheinen. In sämmtlichcn französischen Schauergeschichtenist nicht so viel Unheimliches zusammengepackt wie in jener Kutsche, die Arnimvon Bracke nach Brüssel fahren läßt, und worin folgende vier Pcrsvnagcn beieinander sitzen: