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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
204
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Sie führten mich gleich vor des Hauptmanns Haus,Ach Gott, sie fischten mich im Strome auf,Mit mir ist's aus.

Früh Morgens um zehn UhrStellt man mich vor das Regiment;Ich soll da bitten um Pardon,Und ich bekomm doch meinen Lohn,Das weiß ich schon.

Ihr Brüder allzumal,

Heut seht Ihr mich zum letztenmal;Der Hirtenbub ist doch nur Schuld daran.Das Alphorn hat mir solches angethan.Das klag ich an.

Welch ein schönes Gedicht! Es liegt in diesen Volksliedern ein sonder-barer Zauber. Die Kunstpoeten wollen diese Naturerzeugnisse nachahmen,in derselben Weise, wie man künstliche Mineralwasser verfertigt. Aber wennsie auch, durch chemischen Prozeß die Bestandtheiie ermitteln, so entgeht ihnenz doch die Hauptsache, die unzersetzbare sympathetische Naturkraft. In diesenLiedern fühlt man den Herzschlag des deutschen Volks. Hier offenbart sichall seine düstere Heiterkeit, all seine narrische Vernunft. Hier trommelt derdeutsche Zorn, hier pfeift der deutsche Spott, hier küßt die deutsche Liebe.Hier perlt der acht deutsche Wein und die acht deutsche Thränc. Letztere istmanchmal doch noch köstlicher als crstcrcr; cS ist viel Eisen und Salz darin.Welche Naivität in der Treue! In der Untreue, welche Ehrlichkeit. Welchein ehrlicher Kerl ist der Schwartenhals, obgleich er Straßenraub treibt.Hört einmal die phlegmatisch rührende Geschichte, die er von sich selber erzählt:

Ich kam vor einer Frau Wirthin Haus,

Man fragt mich, wer ich wäre?

Ich bin ein armer Schwartenhals,

Ich' und trink so gerne.

Man führt mich in die Stuben ein.

Da bot man mir zu trinken,

Die Augen liß ich umher geh».

Dm Becher ließ ich sinken.

Man setzt mich obm an den TischAls ob ich ein Kaufherr wäre,Und da es an ein Zahlen ging,

Mein Säckel stand mir leere.