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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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dicscm Schranke hängt mein Nichtschwert, und das bewegt sich jedesmal vonselbst, wenn ihm jemand nahet der einst damit geköpft werden soll. MeinSchwert lechzt nach dem Blute dieses Kindes. Erlaubt mir, daß ich dieKleine nur ein wenig damit am Hälschen ritze. Das Schwert ist dann zu-frieden gestellt mit einem Tröpfchen Blut und trägt kein fllrdcrcs Verlangen."Die Großmutter gab jedoch dicscm vernünftigen Rathc kein Gehör, undmochte es späterhin genugsam bereuen, als das schöne Nancrl wirklich geköpftwurde mit demselben Schwerte.

Herr Clemens Brentano mag wohl jetzt 5V Jahr alt sein, und er lebt zuFrankfurt, einsiedlerisch zurückgezogen, als ein korrespondirendeS Mitglied derkatholischen Propaganda. Sein Name ist in der letzten Zeit fast verschollen,und nur wenn die Rede von den Volksliedern, die er mit seinem verstorbenenFreunde Achim von Arnim herausgegeben, wird er noch zuweilen genannt.Er hat nämlich in Gemeinschaft mit letzterem, unter dem Titel:des KnabenWundcrhorn," eine Sammlung Lieder herausgegeben, die sie, theils noch imMunde des Volkes, theils auch in fliegenden Blättern und seltenen Druck-schriften gefunden haben. Dieses Buch kann ich nicht genug rühmen: esenthält die holdseligsten Blüthcn des deutschen Geistes, und wer das deutscheVolk von einer liebenswürdigen Seite kennen lernen will, der lese diese Volks-lieder. In diesem Augenblick liegt dieses Buch vor mir, und es ist mir alsröche ich den Duft der deutschen Linden. Die Linde spielt nämlich eine Haupt-rolle in diesen Liedern, in ihrem Schatten kosen des Abends die Liebenden,sie ist ihr Licblingsbaum, und vielleicht aus dem Grunde, weil das Linden-blatt die Form eines Menschcnherzens zeigt. Diese Bemerkung machte einstein deutscher Dichter, der mir am liebsten ist, nämlich ich. Auf dem Titel-blatte jenes Buches ist ein Knabe, der das Horn bläst; und wenn ein Deut-scher in der Fremde dieses Bild lange betrachtet, glaubt er die wohlbekanntestenTöne zu vernehmen, und eS könnte ihn wohl dabei das Heimweh beschleichcn,wie den schweizer Landsknecht, der auf der Straßburger Bastei Schildwachcstand, fern den Kuhreigen hörte, die Pique von sich warf, über den Rheinschwamm, aber bald wieder eingefangen und als Deserteur erschossen wurde.Das Knaben Wundcrhorn enthält darüber dag rührende Lied:

Zu Straßburg auf der Schanz,

Da ging mein Trauern an,

Das Alphorn hört ich drüben wohl anstimmen,Jn's Vaterland mußt ich hinüberschwimmenDas ging nicht an.

Ein' Stund in der NachtSie haben mich gebracht: