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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Publikum zu bringen. Herr Steffens durfte mehr als sein Meister sich be-klagen, daß man ihm seine Ideen entwendet. Unter seinen Ideen gab es abereine, die sich keiner zugeeignet hat, und cS ist seine Hauptidce, die erhabene Idee:Henrik Steffens, geboren den 2ten Mai 1773 zu Stavangar, bei Drohnt-hcim in Norweg, sei der größte Mann seines Jahrhunderts."

Seit den letzten Jahren ist dieser Mann in die Hände der Pietisten gerathenund seine Philosophie ist jetzt nichts als ein weinerlicher, lauwarm wäßrigterPietismus.

Ein ähnlicher Geist ist Herr Joseph Görres, dessen ich schon mehrmals er-wähnt, und der ebenfalls zur Schellingschcn Schule gehört. Er ist in Deutsch-land bekannt unter dem Namen:der vierte Allicrte." So hatte ihn ncm-lich ein französischer Journalist genannt, im Jahre 1811, als er den Haß gegenFrankreich predigte. Von diesem Complimcnte zehrt der Mann noch bis aufden heutigen Tag. Aber, in der That, niemand vermochte, so gewaltig wieer, vermittelst nazionaler Erinnerungen, den Haß der Deutschen gegen dieFranzosen zu entflammen; und das Journal, das er in dieser Absicht schrieb,der rheinische Merkur," ist voll von solchen Beschwörungsformeln, die, käme wieder zum Kriege, noch immer einige Wirkung ausüben möchten. Seit-dem kam Herr Görres fast in Vergessenheit. Er ist eine Hauptstütze der

katholischen Propaganda zu München. Dort sah ich ihn, vor einigen Jahren,in der Blllthe seiner Erniedrigung. Vor einem Auditorium, das meistensaus katholischen Seminaristen bestand, hielt er Vorlesungen über allgemeineWeltgeschichte, und war schon bis zum Sündenfall gekommen. Welch einschreckliches Ende nehmen doch die Feinde Frankreichs! Der vierte Allicrte istjetzt dazu verdammt, den katholischen Seminaristen, der Ecolc-Polytechniquedes ObscurantiSmus, jahraus, jahrein, tagtäglich den Sundcnsall zu erzäh-len! In dem Vortrage des Mannes herrschte, wie in seinen Büchern, diegrößte Confusion, die größte Begriff- und Sprachverwirrung, und, nicht ohneGrund, hat man ihn oft mit dem babilonischen Thurm verglichen. Er gleichtwirklich einem ungeheuren Thurm, worin hnndcrttauscnd Gedanken sich abar-beiten und sich besprechen und zurufen und zanken, ohne daß der eine denandern versteht. Manchmal schien der Lärm in seinem Kopfe ein wenig zuschweigen, und er sprach dann lang und langsam und langweilig, und von sei-nen mißmüthigcn Lippen fielen die monotonen Worte herab, wie trübe Regen-tropfen von einer bleiernen Dachtraufe.

Wenn manchmal die alte demagogische Wildheit wieder in ihm erwachteund mit seinen mönchisch frommen Demuthsworten widerwärtig kontrastirte;wenn er christlich liebevoll wimmerte, während er blutdürstig wüthcnd hin undhersprang: dann glaubte man eine tonsnrirte Hyäne zu sehen.

Herr GörreS ist geboren zu Coblcnz, den 25tcn Januar 1776.

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