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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Mit dm ernsten DiSciplinen hatte sich Herr Ticck nie senderlich desaßt. Erstudirte moderne Sprachen und die älteren Urkunden unserer vaterländischenPoesie. Den klassischen Studien soll er immer fremd geblieben sein, als einachter Nomantiker. Nie beschästige er sich mit Philosophie; diese scheint ihmsogar widerwärtig gewesen zu sein. Auf den Feldern der Wissenschast brachHerr Tieck nur Blumen und dünne Irrten, um mit crsteren die Nasen seinerFreunde, und mit letzteren die Rücken seiner Gegner zu regaliren. Mit demgelehrten Feldbau hat er sich nie abgegeben. Seine Schriften sind Blumen-sträuße und Stockbündel; nirgends eine Garbe mit Kornähren.

Außer Goethe ist es Cervantes, welchen Herr Tieck am meisten nachgeahmt.Die humoristische Ironie, ich könnte auch sagen, der ironische Humor dieserbeiden modernen Dichter, verbreitet auch ihren Duft in den Novellen auSHerrn Tiecks dritter Manier. Ironie und Humor sind da so verschmolzen,daß sie ein und dasselbe zu sein scheinen. Von dieser humoristischen Ironieist viel bei uns die Rede, die Goethesche Kunstschule preist sie als eine beson-dere Herrlichkeit ihres Meisters, und sie spielt jetzt eine große Rolle in derdeutschen Literatur.

Ich habe nachträglich noch zwei Arbeiten des Herrn Ticck zu rühmen, wo-durch er sich ganz besonders den Dank des deutschen Publikums erworben.Das sind seine Ucbersctzung einer Reihe englischer Dramen aus der shakc-spearcschcn Zeit, und seine Ucbersctzung des Don Quirote. Letztere ist ihmganz besonders gelungen, keiner hat die närrische Grandezza des ingeniösenHidalgo von La Mancha so gut begriffen und so treu wieder gegeben wie unservortrefflicher Tieck.

Spaßhaft genug ist es, daß gerade die romantische Schule uns die besteUcbersctzung eines Buches geliefert hat, worin ihre eigne Narrheit am ergötz-lichsten durchgehechelt wird. Den» diese Schule war ja von demselben Wahn-sinn besangen, der auch den edlen Manchancr zu allen seinen Narrheiten begei-sterte; auch sie wollte das mittelalterliche Ritterthum wieder rcstauriren; auchsie wollte eine abgestorbene Vergangenheit wieder ins Leben rufen. Oder hatMiguel de Cervantes Savcdra in seinem närrischen Heldengedichte auchandere Ritter persiffliren wollen, nämlich alle Menschen, die für irgend eineIdee kämpfen und leiden? Hat er wirklich in seinem langen, dürren Ritterdie idealischc Begeisterung überhaupt, und in dessen dickem Schildknappen denrealen Verstand parodircn wollen? Immerhin, letzterer spielt jedenfalls dielächerlichere Figur; denn der reale Verstand mit allen seinen hergebrachtengemeinnützigen Sprüchwörtern muß dennoch, auf seinem ruhigen Esel, hinterder Begeisterung einher trottircn; trotz seiner bessern Einsicht muß er und seinEsel alles Ungemach theilen, das dem edlen Ritter so oft zustößt: ja, die