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Standpunkte der romantischen Schule die größte Aehnlichkeit darbietet; seinerPolemik liegen ähnliche Gefühle und Tendenzen zum Grunde, und wenn manHerrn Tieck einen romantischen Aristophanes nannte, so könnte man mit Fugden Parodisten des Euripides und Sokrates einen klassischen Tieck nennen.Wie Herr Tieck und die Schlegel, trotz der eignen Ungläubigkeit, dennoch denUntergang des Katholizismus bedauerten; wie sie diesen Glaube» bei derMenge zu rcstauriren wünschten; wie sie in dieser Absicht die protestantischenNationalisten, die Aufklärer, die ächten noch mehr als die falschen, mit Spottund Vcrlästcrung befehdeten; wie sie gegen Männer, die im Leben und inder Literatur, eine ehrsame Biirgerlichkeit beförderten, die grimmigste Abnei-gung hegten; wie sie diese Biirgerlichkeit als philisterhafte Kleinmisbre per-sislirten, und dagegen beständig das große Hcldenleben des feudalistischenMittelalters gerühmt und gefeiert: so hat auch Aristophanes, welcher selberdie Götter verspöttelte, dennoch die Philosophen gehaßt, die dem ganzen Olympden Untergang bereiteten; er haßte den razionalistischen Sokrates, welcher einebessere Moral predigte; er haßte die Dichter, die gleichsam schon ein modernesLeben aussprachen, welches sich von der früheren griechischen Gotter-, Heldcn-und Königsperiode eben so unterschied, wie unsere jetzige Zeit von den mittel-alterlichen Fcudalzeitcn; er haßte den Euripides, welcher nicht mehr wie Ae-schylus und Sophokles von dem griechischen Mittelalter trunken war, sondernsich schon der bürgerlichen Tragödie näherte. Ich zweifle ob sich Herr Schlegelder wahren Beweggründe bewußt war, warum er den Euripides so sehr her-absetzte, in Bcrgleichung mit Aeschylus und Sophokles: ich glaube ein unbe-wußtes Gefühl leitete ihn, in dem alten Tragiker roch er das modern demo-kratische und protestantische Element, welches schon dem ritterschaftlichen undolympisch katholischen Aristophanes so sehr verhaßt war.
Vielleicht aber erzeige ich Herren A. W. Schlegel eine unverdiente Ehre,indem ich ihm bestimmte Sympathien und Antipathien beimesse. Es istmöglich, daß er gar keine hatte. Er war in seiner Jugend ein Helenist undwurde erst später ein Romantiker. Er wurde Chorführer der neuen Schule,diese wurde nach ihm und seinem Bruder benamset, und er selber war vielleichtderjenige, dem es mit der Schlcgelschcn Schule am wenigsten Ernst war. Erunterstützte sie mit seinen Talenten, er studierte sich in sie hinein, er freute sichdamit so laug es gut ging, und als es mit der Schule ein schlechtes Endenahm, hat er sich wieder in ein neues Fach hincinstudiert.
Obgleich nun die Schule zu Grunde ging, so haben doch die Anstrengungendes Herrn Schlegel gute Früchte getragen für unsere Literatur. Namentlichhatte er gezeigt, wie man wissenschaftliche Gegenstände in eleganter Sprachebehandeln kann. Früherhin wagten wenige deutsche Gelehrte ein wissenschaft-liches Buch in einem klaren und anziehenden Style zu schreiben. Mau