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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
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schrieb ein verworrenes, trocknes Deutsch, welches nach Talglichtcrn und Tabakroch. Herr Schlegel gehörte zu den wenigen Deutschen die keinen Tabakrauchen, eine Tugend, welche er der Gesellschaft der Frau von Stadl ver-dankte. Ucbcrhaupt verdankt er jener Dame die äußere Politur, welche er inDeutschland mit so vielem Vortbeil geltend machen konnte. In dieser Hinsichtwar der Tod der vortrefflichen Frau v. Stadl ein großer Verlust für diesendeutschen Gelehrten, der in ihrem Salon so viele Gelegenheit fand, die neue-sten Moden kennen zu lernen, und, als ihr Begleiter in allen HauptstädtenEuropas, die schöne Welt sehen und sich die schönsten Wcltsittcn aneignenkonnte. Solche bildende Verhältnisse waren ihm so sehr zum heiteren Le-bensbedürfnisse geworden, daß er, nach dem Tode seiner edlen Beschützerin,nicht abgeneigt war, der berühmten Catalani seine Begleitung auf ihrenReisen anzubieten.

Wie gesagt, die Beförderung der Eleganz ist ein Hauptverdienst des HerrnSchlegel, und durch ihn kam auch in das Leben der deutschen Dichter mehrCivilisazion. Schon Goethe hatte das einflußreichste Beispiel gegeben, wieman ein deutscher Dichter sein kann, und dennoch den äußerlichen Anstand zubewahren vermag. In früheren Zeiten verachteten die deutschen Dichter alleconvenzioncllc» Formen, und der Namedeutscher Dichter" oder gar derNamepoetisches Genie" erlangte die unerfreulichste Bedeutung. Ein deut-scher Dichter war ehemals ein Mensch, der einen abgeschabten, zerrissenen Nocktrug, Kiudtauf- und Hochzeitgcdichtc für einen Thalcr das Stück verfertigte,statt der guten Gesellschaft, die ihn abwies, desto bessere Getränke genoß, auchwohl des Abends betrunken in der Gosse lag, zärtlich geküßt von Lunas ge-fühlvollen Strahlen. Wenn sie alt geworden, Pflegten diese Menschen nochtiefer in ihr Elend zu versinken, und es war freilich ein Elend ohne Sorge,oder dessen einzige Sorge darin besteht: wo man den meisten Schnaps für daSwenigste Geld haben kann!

So hatte auch ich mir einen deutschen Dichter vorgestellt. Wie angenehmverwundert war ich daher Anno 1819, als ich, ein ganz junger Mensch, dieUniversität Bonn besuchte, und dort die Ehre hatte, den Herrn Dichter A. W.Schlegel, das poetische Genie, von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Es war,mit Ausnahme des Napoleon, der erste große Mann den ich damals gesehen,und ich werde nie diesen erhabenen Anblick vergessen. Noch heute fühle ichden heiligen Schauer, der durch meine Seele zog, wenn ich vor seinem Kathe-der stand und ihn sprechen hörte. Ich trug damals einen weißen Flauschrock,eine rothc Mütze, lange blonde Haare und keine Handschuhe. Herr A. W.Schlegel trug aber Glaceehandschuh, und war noch ganz nach der neuestenpariser Mode gekleidet; er war noch ganz parsümirt von guter Gesellschaftund oau ckv mills Oer»'«; er war die Zierlichkeit und die Eleganz selbst, und

Heine. V. IS