dcm Grade ihres Glaudens. Nein, Herder betrachtete die ganze Menschheitals eine große Harfe in der Hand des großen Meisters, jedes Volk dünkt ihmeine besonders gestimmte Saite dieser Ricscnharfe, und er begriff die Universal-Harmvnie ihrer verschiedenen Klänge.
Fr. Schlegel starb im Sommer 1823, wie man sagte, in Folge einer gastro-nomischen Unmäßigkeit. Er wurde 57 Jahr alt. Sein Tod veranlasste einender widerwärtigsten literarischen Scandale. Seine Freunde waren ungehal-ten über die inoffiziosc Weise, womit die liberale Presse diesen Todesfall be-sprochen; sie verlästerten und schimpften und schmähten daher die deutschenLiberalen. Jedoch von keinem derselben konnten sie sagen: „daß er das Weibseines Gastfrcundcs verführt und noch lange Zeit nachher von den Allmosendes beleidigten Gatten gelebt habe."
Ich muß jetzt, weil man es doch verlangt, von dcm älteren Bruder, HerrnA. W. Schlegel, sprechen. Wollte ich in Deutschland noch von ihm reden,so würde man mich dort mit Verwunderung ansehen.
Wer spricht jetzt noch in Paris von der Giraffe?
Herr A. W. Schlegel ist geboren zu Hannover den 5tcn September 17lZ7.Ich weiß das nicht von ihm selber. Ich war nie so ungallant, ihn über seinAlter zu befragen. Jenes Datum fand ich, wenn ich nicht irre, in SpindlersLexikon der deutschen Schriftstellerinnen. Herr A. W. Schlegel ist daherjetzt 64 Jahr alt. Herr Alexander v. Humboldt und andere Naturforscherbehaupten er sei älter. Auch Champolion war dieser Meinung. Wenn ichvon seinen literarischen Verdiensten reden soll, so muß ich ihn wieder zunächstals Ucbersctzer rühmen. Hier hat er unbestreitbar das Außerordentliche ge-leistet. Namentlich seine Ucbcrtragung des Shakespeare in die deutsche Spracheist meisterhaft, unübertreffbar. Vielleicht mit Ausnahme des Herren Griesund des Herren Grafen Plate», ist Herr A. W. Schlegel Uberhaupt der größteMetriker Deutschlands. In allen übrigen Thätigkeitcn gebührt ihm nur derzweite, wo nicht gar der dritte Rang. In der ästhetischen Critik fehlt ihm,wie ich schon gesagt, der Boden einer Philosophie, und weit überragen ihn an-dere Zeitgenossen, namentlich Solger. Im Studium des Altdeutschen stehtthurmhoch über ihn erhaben Herr Jakob Grimm, der uns, durch seine deutscheGrammatik, von jener Oberflächlichkeit befreite, womit man, nach dem Bei-spiel der Schlegel, die altdeutschen Sprachdenkmale erklärt hatte. HerrSchlegel konnte es vielleicht im Studium des Altdeutschen weit bringen, wenner nicht ins Sanskrit hinübergesprungen wäre. Aber das Altdeutsche waraußer der Mode gekommen und mit dcm Sanskrit konnte man frisches Auf-sehen erregen. Auch hier blieb er gewissermaßen Dilettant, die Jniciative sei-ner Gedanken gehört noch seinem Bruder Friedrich und das Wissenschaftliche,das Reelle, in seinen sanskritischen Leistungen gehört, wie jeder weiß, dem