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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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chcnLiebe." Ich rede von Deutschland; in Frankreich ist die eine Schwe-ster gestorben, nnd wir sehen die andere noch in tiefster Trauer.

Seit dem Erscheinen der Frau v. Staölschen cke l^VIIomagus, hat Fr.Schlegel das Publikum noch mit zwei großen Werken beschenkt, die vielleichtseine besten sind und jedenfalls die rühmlichste Erwähnung verdienen. Es sindseineWeisheit und Sprache der Jndicr," nnd seineVorlesungen über dieGeschichte der Literatur." Durch das erstgenannte Buch hat er bei uns dasStudium des Sanskrit nicht bloS eingeleitet, sondern auch begründet. Erwurde für Deutschland, was William Jones für England war. In der ge-nialsten Weise hatte er das Sanskrit erlernt, nnd die wenigen Bruchstücke, dieer in jenem Buche mittheilt, sind meisterhaft übersetzt. Durch sein tiefes An-schauungsvcrmogen erkannte er ganz die Bedeutung der epischen Vcrsart derJndicr, der Sloka, die so breit dahinflutet wie der Ganges, der heilig klareFluß. Wie kleinlich zeigte sich dagegen Herr N. W. Schlegel, welcher einigeFragmente aus dem Sanskrit in Herametern übersetzte, und sich dabei nichtgenug zu rühmen wußte, daß er in seiner Uebersctzung keine Trochäen ein-schlüpfen lassen und so manches metrische Kunststück der Alcrandriancr nach-gcschnitzclt hat. Fr. Schlegels Werk über Indien ist gewiß ins Französischeübersetzt, und ich kann mir das weitere Lob ersparen. Zu tadeln habe ich nurden Hintergedanken des Buches. Es ist im Interesse des Katholicismns ge-schrieben. Nicht blos die Mysterien desselben, sondern auch die ganze katho-lische Hirarchie und ihre Kämpfe mit der weltlichen Macht hatte» diese Leutein den indischen Gedichten wiedergefunden. Im Mahabarata und im Ra-mayana sahen sie gleichsam ein Elephanten-Mittclalter. In der That, wenn,in letzterwähntem EpoS, der König Wiswamitra mit dem Priester Wasischtahadert, so betrifft solcher Hader dieselben Interessen, um die bei uns der Kaisermit dem Papste stritt, obgleich der Streitpunkt hier in Europa die Investiturund dort in Indien die Knh Sabala genannt ward.

In Betreff der Schlcgelschcn Vorlesungen über Literatur läßt sich AchnlicheSrügen. Friedrich Schlegel übersieht hier die ganze Literatur von einem hohenStandpunkt aus, aber dieser hohe Standpunkt ist doch immer der Glockenthurmeiner katholischen Kirche. Und bei allem, was Schlegel sagt, hört man dieseGlocken läuten; manchmal hört man sogar die Thurmrabcn krächzen, die ihnumflattern. Mir ist als dufte der Weihrauch des Hochamts aus diesem Buche,nnd als sähe ich aus den schönsten Stellen desselben lauter tousurirtc Gedan-ken hcrvorlauschcn. Indessen, trotz dieser Gebreche», wüßte ich kein besseresBuch dieses Fachs. Nur durch Zusammenstellung der Hcrderschcii Arbeitensolcher Art könnte man sich eine bessere Ucbcrsicht der Literatur aller Völker ver-schaffen. Denn Herder saß nicht wie ein literarischer Großinquisitor zu Ge-richt über die verschiedenen Nazionen, und verdammte oder absslvirtc sie nach