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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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gesprochen, warf sich gleichsam mit dem Geiste selbst In die Arme des Sen-sualismus, indem er den West-östlichen Divan schrieb.

Es ist daher höchst bedeutsam, daß dieses Buch bald nach dem Faust erschien.ES war die lchte Phase Goethes und sein Beispiel war von großem Einflußans die Literatur. Unsere Lyriker besangen seht den Orient. Erwähnens-wert!) mag cS auch sein, daß Goethe, indem er Persicn und Arabien so freudigbesang, gegen Indien den bestimmtesten Widerwillen aussprach. Ihm miß-fiel an diesem Lande das Bizarre, Verworrene, Unklare, und vielleicht ent-stand diese Abneigung dadurch, daß er bei den Sanskritischen Studien derSchlegel und ihrer Herren Freunde eine katholische Hinterlist witterte. DieseHerren betrachteten nämlich Hindostan als die Wiege der katholischen Wclt-ordnung, sie sahen dort das Musterbild ihrer Hierarchie, sie fanden dort ihreDreieinigkeit, ihre Menschwerdung, ihre Buße, ihre Sühne, ihre Kastciungenund alle ihre sonstigen geliebten Steckenpferde. Goethes Widerwille» gegen In-dien reizte nicht wenig diese Leute, und Herr August Wilhelm Schlegel nannteihn deshalb mit gläsernem Acrger:einen zum Islam bekehrten Heiden."

Unter den Schriften, welche dieses Jahr über Goethe erschienen sind, ver-dient ein hinterlassenes Werk von Johannes FalkGoethe aus näherem per-sönlichen Umgange dargestellt" die rühmlichste Erwähnung. Der Verfasserhat uns in diesem Buche, außer einer detaillirtcn Abhandlung Uber den Faust(die nicht fehlen durfte!) die vortrefflichsten Notizen über Goethe mitgctheilt,und er zeigt uns denselben in allen Beziehungen des Lebens, ganz natnrtrcu,ganz unparthciisch, mir allen seinen Tugenden und Fehlern. Hier sehen wirGoethe im Verhältnis; zu seiner Mutter, deren Naturell sich so wunderbar imSohne wieder abspiegelt; hier sehen wir ihn als Naturforscher, wie er eineRaupe beobachtet, die sich eingesponnen und als Schmetterling entpuppen wird;hier sehen wir ihn dem großen Herder gegenüber, der ernsthaft ziirnt ob demJndiffeccntismus, womit Goethe die Entpuppung der Menschheit selbst unbe-achtet läßt; wir sehen ihn wie er, am Hofe des Großherzogs von Weimar,lustig improvisirend, unter blonden Hofdamen ficht, gleich dem Apoll unter denSchafen des König AdmetoS; wir sehen ihn dann wieder, wie er, mit demStolze eines Dalai-Lama den Koßebne nicht anerkennen will; wie dieser, umihn herabzusehen eine öffentliche Feier zu Ebren Schillers veranstaltet;überall aber sehen wir ihn klug, schön, liebenswürdig, eine holdselig erquickendeGestalt, ähnlich den ewigen Göttern.

In der That, die Ucbercinstimmnng der Persönlichkeit mit dem Genius,wie man sie bei außerordentlichen Menschen »erlangt, fand man ganz beiGoethe. Seine äußere Erscheinung war eben so bedeutsam wie das Wortdas in seinen Schriften lebte; auch seine Gestalt war harmonisch, klar, freudig,edel gemessen, und man konnic griechische Kunst an ihm studiren, wie an einer