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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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Reformation beginnt, und daß er selber die Kunst erfunden baden soll, diedem Wissen einen Sieg über den Glauben verschafft, ncmlich die Buch-druckern, eine Kunst die uns aber auch die katholische GcmiithSruhe geraubtund uns in Zweifel und Revolutionen gestürzt ein Anderer als ich würdesagen, endlich in die Gewalt des Teufels geliefert hat.

Minder bekannt als der Fanst, ist hier, in Frankreich, GoethesWest-östlicher Divan" ein späteres Buch, von welchem Frau von Stadl noch nichtKcnntuiß hatte, und dessen wir hier besonders erwähnen müssen. Es enthältdie Denk- und Gefühlsweise des Orients, in blühenden Liedern und kernigenSprüchen; und das duftet und glüht darin, wie ein Harem voll verliebterOdaliSken mit schwarzen geschminkten Gasellcnaugcu und sehnsüchtig weißenArmen. Es ist dem Leser dabei so schauerlich lüstern zu Muthe, wie demglücklichen Gaspar Debüreau, als er in Konstantinopel oben auf der Leiterstand, und cko baut en das dasjenige sah, was der Beherrscher der Gläubigennnr cke bas en baut zu sehen pflegt. Manchmal ist dem Leser auch zu Muthe,als läge er behaglich ausgestreckt auf einem persischen Teppich, und rauche auseiner lang-röhrigen Wasserpfeife den gelben Tabak von Turkistan, währendeine schwarze Sklavin ihm mit einem bunten Pfauenwedel Kühlung zuweht,und ein schöner Knabe ihm eine Schale mit achtem Mokka-Kaffee darreicht:den berauschendsten Lebensgenuß hat hier Goethe in Verse gebracht, und diesesind so leicht, so glücklich, so hingehaucht, so ätherisch, daß man sich wundertwie dergleichen in deutscher Sprache möglich war. Dabei giebt er auch inProsa die allerschönsten Erklärungen über Sitten und Treiben im Morgen-lande, über das patriarchalische Leben der Araber; und da ist Goethe immerruhig lächelnd, und harmlos wie ein Kind, und wciShcitSvoll wie ein Greis.Diese Prosa ist so durchsichtig wie das grüne Meer, wenn Heller Sommcr-nachmittag und Windstille, und man ganz klar hinabschauen kann in dieTiefe, wo die versunkenen Städte mit ihren verschollenen Herrlichkeiten sicht-bar werden; manchmal ist aber auch jene Prosa so magisch, so ahnungs-voll, wie der Himmel wenn die Abenddämmerung heraufgezogen: und diegroßen Goethe'schen Gedanken treten dann hervor, rein und golden, wie dieSterne. Unbeschreiblich ist der Zauber dieses Buches: es ist ein Sclam, dender Occident dem Oriente geschickt hat, und es sind gar närrische Blumendarunter: sinnlich rothc Rosen, Hortensien wie weiße nackte Mädchenbuseu,spaßhaftes Löwenmaul, Purpurdigitalis wie lange Menschenfinger, verdrehteKrokosnasen, und in der Mitte, lauschend verborgen, stille deutsche Veilchen.Dieser Selam aber bedeutet, daß der Occident seines frierend mageren Spiri-tualismus überdrüssig geworden und au der gesunden Körperwelt des Orientssich wieder erlaben mochte. Goethe, nachdem er, im Faust, sein Mißbehagenan dem abstrakt Geistigen und sein Verlangen nach reellen Genüssen aus-