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das auch nicht nachmachen, und ich höre wie Ihr mit Abscheu behauptet: wirsind keine Hexenmeister, wir sind gute Christen. Daß Ihr keine Hexenmeisterseid, das weiß ich.
Goethes größtes Verdienst ist eben die Vollendung alles dessen was er dar-stellt ; da gicbt es keine Parthicn, die stark sind während andere schwach, da istkein Thcil ausgemalt, während der andere nur skizzirt worden, da gicbt eskeine Verlegenheiten, kein herkömmliches Füllwcrk, keine Vorliebe für Einzel-heiten. Jede Person in seinen Romanen und Dramen behandelt er, wo sievorkömmt, als wäre sie die Hauptperson. So ist es auch bei Homer, so beiShakespeare. In den Werken aller großen Dichter gicbt es eigentlich garkeine Nebenpersonen, jede Figur ist Hauptperson an ibrcr Stelle. SolcheDichter gleichen den absoluten Fürsten, die den Menschen keinen sclbststän-digen Werth beimessen, sondern ihnen selber, nach eigenem Gutdünken, ihrehöchste Geltung zuerkennen. Als ein französischer Gesandter einst gegen denKaiser Paul von Rußland erwähnte, daß ein wichtiger Mann seines Reichessich für irgend eine Sache interessier: da fiel ihm der Kaiser streng in die Rede,mit den merkwürdigen Worten: „es gicbt in diesem Reiche keinen wichtigenMann außer demjenigen, mit welchem Ich eben spreche, und nur so lange Ichmit ihm spreche ist er wichtig." Ein absoluter Dichter, der ebenfalls seineMacht von Gottes Gnade erhalten hat, betrachtet in gleicher Weise diejenigePerson seines Geistcrreichs als die wichtigste, die er eben sprechen läßt, dieeben unter seine Feder gcrathcn, und aus solchem Kunstdespotismus entstehtjene wunderbare Vollendung der kleinsten Figuren in den Werken Homers,Shakespeares und Goethes.
Wenn ich etwas herbe von den Gegnern Goethes gesprochen habe, so dürfteich noch viel Herberes von seinen Apologisten sagen. Die meisten derselbenhaben in ihrem Eifer noch größere Thorhcitcn vorgebracht. Auf der Grenzedes Lächerlichen steht in dieser Hinsicht einer Namens Herr Eckcrmann, demeS übrigens nicht an Geist fehlt. In dem Kampfe gegen Herrn Pustknchenhat Karl Jmmcrmann, der jcht unser größter dramatischer Dichter ist, seinekritischen Sporen erworben; er hat da ein vortreffliches Schriftchcn zu Tagegefördert. Zu meist haben sich die Berliner bei dieser Gelegenheit ausge-zeichnet. Der bedeutendste Kämpe für Goethe war zu jeder Zeit Varnhagcnvon Ense, ein Mann, der Gedanken im Herzen trägt, die so groß sind wie dieWelt, und sie in Worten ausspricht, die so kostbar und zierlich sind wie ge-schnittene Gemmen. Es ist jener vornehme Geist auf dessen Urtheil Goetheimmer das meiste Gewicht gelegt hat. — Vielleicht ist cS nichlich hier zu erwäh-nen, daß Herr Wilhelm von Humboldt bereits früher ein ausgezeichnetesBuch über Goethe geschrieben hat. Seit den lehten zehn Jahren brachte jedeleipziger Messe mehrere Schriften über Goethe hervor. Die Untersuchungen