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digen Maniscstaziou, Gott ist in der Bewegung, in der Handlung, in der Zeit,sein heiliger Odem weht durch die Blatter der Geschichte, Untere ist das eigent-liche Buch Gattes; und das fühlte und ahnte Friedrich Schiller und er ward„ein rückwärtsgekehrter Prophet" und er schrieb den Abfall der Niederlande,den dreißigjährigen Krieg und die Jungfrau so» Orleans und den Tell.
Freilich, auch Goethe besang einige große EmanzipationSgeschichtcn, aber erbesang sie als Artist. Da er nämlich den christlichen Enthusiasmus, der ihmfatal war, verdrießlich ablehnte, und den philosophischen Enthusiasmus un-serer Zeit nicht begriff, oder nicht begreifen wollte, weil er dadurch aus seinerGemüthsruhe herausgerissen zu werden befürchtete: so behandelte er den En-ihusiasmuS überhaupt ganz historisch, als etwas Gegebenes, als einen Stoff,der behandelt werden soll, der Geist wurde Materie unter seinen Händen, under gab ihm die schöne gefällige Form. So wurde er der größte Künstler inunserer Literatur, und alles was er schrieb, wurde ein abgerundetes Kunstwerk.
Das Beispiel des Meisters leitete die Jünger, und in Deutschland entstanddadurch jene literarische Periode, die ich einst als „die Kunstpcriode" bezeich-net, und wobei ich den nachtheiligen Einfluß auf die politische Entwicklungdes deutschen Volkes nachgewiesen habe. Keineswegs jedoch leugnete ich beidieser Gelegenheit den sclbstständigen Werth der gocthcscheu Meisterwerke.Sie zieren unser Ihcueres Vaterland, wie schöne Statuen einen Garten zieren,aber es sind Statuen. Man kann sich darin verliebe», aber sie sind unfrucht-bar: die goetbcschen Dichtungen bringen nicht die That hervor, wie die Schil-lerschen. Die That ist das Kind des Wortes, und die goetheschen schönenWorte sind kinderlos. Das ist der Fluch alles dessen, was durch die Kunstentstanden ist. Die Statue, die der Pygmalion verfertigt, war ein schönesWeib, sogar der Meister verliebte sich barin, sie wurde lebendig unter seinenKüssen, aber so viel wir wissen hat sie nie Kinder bekommen. Ich glaubeHerr Charles Rodler hat mal in solcher Beziehung etwas Aehnliches gesagt,und das kam mir gestern in den Sinn, als ich, die untern Säle des Louvredurchwandernd, die alte» Göttcrstatuen betrachtete. Da standen sie, mit denstummen weißen Augen, in dem marmornen Lächeln eine geheime Melan-cholie, eine trübe Erinnerung vielleicht an Egypten, das Todtcnland, dem sieentsprossen, oder leidende Sehnsucht nach dem Leben, woraus sie jeht durchandere Gottheiten fortgedrängt sind, oder auch Schmerz über ihre tobte Un-sterblichkeit:— sie schienen des Wortes z» harren, das sie wieder dem Lebenzurückgäbe, das sie aus ihrer kalten, starren Regungslosigkeit erlöse. Son-derbar! diese Antiquen mahnten mich an die goetheschen Dichtungen, dieeben so vollendet, eben so herrlich, eben so ruhig sind, und ebenfalls mit Wch-muth zu fühlen scheinen, daß ihre Starrheit und Kälte sie von unserem jehigenbewegt warmen Leben abscheidet, daß sie nicht mit unS leiden und jauchzen