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ler schriet für die großen Ideen der Revolution, er zerstörte die geistigen Bastil-len, er taute an dem Tempel der Freiheit, und zwar au jenem ganz großenTempel, der alle Nationen, gleich einer einzigen Brüdergemeinde, umschließensoll; er war Kosmopolit. Er begann mit jenem Haß gegen die Vergangen-heit, welchen wir in den „Räubern" sehen, wo er einem kleinen Titanengleicht, der aus der Schule gelaufen ist und Schnaps getrunken hat und demJupiter die Fenster einwirft; er endigte mit jener Liete für die Zukunft, dieschon im Don Carlos wie ein Blumcnwald hervortlüht, und er selber ist jenerMarguiS Posa, der zugleich Prophet und Soldat ist, der auch für das kämpft,was er prophezeit, und unter dem spanischen Mantel das schönste Herz trägt,das jemals in Deutschland geliebt und gelitten hat.
Der Poet, der kleine Nachschöpfer, gleicht dem lieben Gott auch dann, daßer seine Menschen nach dem eigenen Bilde erschafft. Wenn daher Carl Moorund der Marquis Posa ganz Schiller selbst sind, so gleicht Goethe seinemWeither, seinem Wilhelm Meister und seinem Faust, worin man die Phasenseines Geistes studiren kann. Wenn Schiller sich ganz in die Geschichte stürzt,sich für die gesellschaftlichen Fortschritte der Menschheit enthusiasmirt und dieWeltgeschichte besingt: so versenkt sich Goethe mehr in die individuellen Gefühle,oder in die Kunst, oder in die Natur. Goethe, den Pantheisten, mußte dieNaturgeschichte endlich als ein Hauptstudium beschäftigen, und nicht blos inDichtungen, sondern auch in wissenschaftlichen Werken gab er unS die Resul-tate seiner Forschungen. Sein JndiffcrentiSmus war ebenfalls ein Resultatseiner pantheistischen Weltansicht.
Es ist leider wahr, wir müssen es eingestehn, nicht selten hat der Pantheismusdie Menschen zu Jndifferentistcn gemacht. Sie dachten: wenn Alles Gott ist, somag es gleichgültig sein, womit man sich beschäftigt, ob mit Wolken oder mit an-tiken Gemmen, ob mit Volksliedern oder mit Affenknochen, ob mit Menschenoder mit Comödianten. Aber da ist eben der Jrrthnm : Alles ist nicht Gott, son-dern Gott ist Alles; Gott manifestirt sich nicht in gleichem Maße in allen Din-gen, er manifestirt sich vielmehr nach verschiedenen Graden in den verschiedenenDingen, und jedes trägt in sich den Drang, einen höheren Grad der Göttlich-keit zu erlangen; und das ist daS große Gesetz des Fortschrittes in der Natur.Die Erkeuntniß dieses Gesetzes, das am tiefsinnigsten von den Saint-Simo-nisten offenbart worden, macht jetzt den Pantheismus zu einer Weltansicht, diedurchaus nicht zum JndifferentismuS führt, sondern zum aufopferungSsllch»tigstcn Fortstreben. Nein, Gott manifestirt sich nicht gleichmäßig in allenDingen, wie Wolsgang Goethe glaubte, der dadurch ein Jndiffcrcntist wurde,und statt mit den höchste» Menschheitsinteressen sich nur mit Kunstspielsachcn,Anatomie, Farbenlehre, Pflanzenkunde und Wolkeubeobachtungcn beschäftigte:Gott manifestirt sich in den Dingen mehr oder minder, er lebt in dieser bestem-