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klassischer Poesie, sondern von Goethe und wieder von Goethe. Freilich estraten unterdessen einige Dichter aus den Schauplatz, die an Kraft und Phan-tasie diesem nicht viel nachgaben; aber sie erkannten ihn aus Courtoisie alsihr Oberhaupt, sie umgaben ihn huldigend, sie küßten ihm die Hand, sie knie-ten vor ihm; diese Granden des Parnassus unterschieden sich jedoch von dergroßen Menge dadurch, daß sie auch in Goethes Gegenwart ihren Lorbeer-kranz auf dem Haupte behalten durften. Manchmal auch frondirtcn sie ikn;sie ärgerten sich aber dann wenn irgend ein Geringerer sich ebenfalls berechtigthielt Goethcn zu schelten. Die Aristokraten, wenn sie auch noch so böse gegenihren Souverain gestimmt sind, werden doch verdrießlich, wenn sich anch derPlebs gegen diesen erhebt. Und die geistigen Aristokraten in Deutschlandhatten, wahrend der beiden letzten Dccennien, sehr gerechte Grunde auf Goetheungehalten zu sein. Wie ich selber es damals, mit hinlänglicher Bitterkeit,offen gesagt habe: Goethe glich jenem Ludwig Xl., der den hohen Adelunterdrückte und den tiers 6tat empor hob.
Das war widerwärtig, Goethe hatte Angst vor jedem sclbstständigen Ori-ginalschriftstcllcr und lob und pries alle unbedeutende Klcingeister; ja er triebdieses so weit, daß es endlich für ein LrovZt der Mittelmäßigkeit galt, vonGoethe gelobt worden zu sein.
Späterhin spreche ich von den neuen Dichtern, die während der GoethcscbenKaiserzeit hervortraten. Das ist ein junger Wald, dessen Stämme erst jetztihre Größe zeigen, seitdem die hundertjährige Eiche gefallen ist, von derenZweigen sie so weit überragt und überschattet wurden.
Es fehlte, wie schon gesagt, nicht an einer Opposition, die gegen Goethe,diese» großen Baum, mit Erbitterung eiferte. Menschen von den entgegen-gesetztesten Meinungen vereinigten sich zu solcher Opposition. Die Altgläu-bigen, die Orthodoren, ärgerten sich, daß in dem Stamme des großen Bauineskeine Nische mit einem Hciligenbildchen befindlich war, ja, daß sogar die nack-ten Dryaden des Hcidenthums darin ihr Hcrcnwesen triebe», und sie hättengern, mit geweihter Art, gleich dem heiligen Bonifacius, diese alte Zanber-ciche niedergefällt; die Reugläubigen, die Bekenner des Liberalismus, ärger-ten sich im Gegentheil, daß man diesen Baum nicht zu einem Freiheitsbanm,und am allerwenigsten zu einer Barrikade benutzen konnte. In der That, derBaum war zu hoch, man konnte nicht auf seinen Wipfel eine rothe Mützestecken und darunter die Carmagnole tanzen. Das große Publikum aber ver-ehrte diesen Baum eben weil er so sclbstständig herrlich war, weil er so lieblichdie ganze Welt mit seinem Wohlduft erfüllte, weil seine Zweige so prachtvollbis in den Himmel ragten, so daß es aussah, als seien die Sterne nur die goldncnFrüchte des großen Wunderbaums.
Die Opposition gegen Goethe beginnt eigentlich mit dem Erscheinen der
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