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ten, und keinen geeigneteren fanden als Goethe, und auch von diesem einigenliterarischen Vorschub erwarteten, baute» sie ihm einen Altar und räuchertenihm und ließen das Volk vor ihm knie». Sie hatten ihn auch so ganz in derNähe. Von Jena nach Weimar fuhrt eine Allee hübscher Bäume, woraufPflaumen wachsen, die sehr gut schmecken, wenn man durstig ist von der Som-merhitze; und diesen Weg wanderten die Schlegel sehr oft, und in Weimarhatten sie manche Unterredung mit dem Herren Gchcimcrath von Goethe, derimmer ein sehr großer Diplomat war, und die Schlegel ruhig anhörte, beifäl-lig lächelte, ihnen manchmal zu essen gab, auch sonst einen Gefallen that u. s. w.Sie hatten sich auch an Schiller gemacht; aber dieser war ein ehrlicher Mannund wollte nichts von ihnen wissen. Der Briefwechsel zwischen ihm undGoethe, der vor drei Jahren gedruckt worden, wirft manches Licht auf dasVerhältniß dieser beiden Dichter zu den Schlegeln. Goethe lächelt vornehmüber sie hinweg; Schiller ist ärgerlich über ihre impertinente Scandalsucht,über ihre Manier durch Scandal Aufsehen zu machen, und er nennt sie„Lassen."
Mochte jedoch Goethe immerhin vornehm thun, so hatte er nichts destowc-nigcr den größten Theil seiner Renommee den Schlegeln zu verdanken. Diesehaben das Studium seiner Werke eingeleitet und befördert. Die schnöde be-leidigende Art, womit er diese beiden Männer am Ende ablehnte, riecht sehrnach Undank. Vielleicht verdroß es aber den tiefschauendcn Goethe, daß dieSchlegel ihn nur als Mittel zu ihren Zwecken gebrauchen wollten; vielleichthaben ihn, den Minister eines protestantischen Staates, diese Zwecke zu kom-promittiren gedroht; vielleicht war es gar der althcidnische Götterzorn, der inihm erwachte, als er das dumpfig katholische Treiben sah: — denn wie Voßdem starren einäugigen Odin glich, so glich Goethe dem großen Jupiter iuDenkweise und Gestalt. Jener, freilich, mußte mit ThorS Hammer tüchtigzuschlagen; dieser brauchte nur das Haupt mit den ambrosischen Locken un-willig zu schütteln, und die Schlegel zitterten, und krochen davon. Ein öffent-liches Dokument jenes Einspruchs von Seiten Goethes erschien im zweitenHefte der Goetheschen Zeitschrift „Kunst und Alterthum" und es führt denTitel: „Ueber die christlich patriotisch neu-deutsche Kunst." Mit diesem Ar-tikel machte Goethe gleichsam seinen Igten Brllmaire in der deutschen Litera-tur; denn indem er so barsch die Schlegel aus dem Tempel jagte und vieleihrer eifrigsten Jünger an seine eigne Person heranzog, und von dem Publi-kum, dem das Schlegelsche Direktorium schon lange ein Gräuel war, akkla-mirt wurde, begründete er seine Alleinherrschaft in der deutschen Literatur.Von jener Stunde an war von den Herren Schlegel nicht mehr die Rede; nurdann und wann sprach man noch von ihnen, wie man jetzt noch manchmalvon BarraS oder Gobier spricht; man sprach nicht mehr von Romantik und