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gnadigt würde und sie sich, ohne etwas gesehen zu haben, wieder nach Hausetrollen müßten. Ihr vergrößerter Zorn trifft dann denjenigen, der sie in ihrenErwartungen getäuscht hat.
Indessen, die vossische Polemik wirkte mächtig auf das Publikum, und siezerstörte in der öffentlichen Meinung die grassirende Vorliebe für das Mittel-alter. Jene Polemik hatte Deutschland aufgeregt, ein großer Theil des Pu-blikums erklärte sich unbedingt für Voß, ein größerer Theil erklärte sich nurfür dessen Sache. Es erfolgten Schriften und Gegenschriften, und die letztenLebenstage des alten ManncS wurden durch diese Händel nicht wenig verbit-tert. Er hatte es mit den schlimmsten Gegnern zu thun, mit den Pfaffen,die ihn unter allen Vermummungen angriffen. Nicht bloß die Kryptokatho-likcn, sondern auch die Pietisten, die Quictisten, die lutherischen Mystiker, kurzalle jene supcrnaturalistischcn Sekten der protestantischen Kirche, die unterein-ander so sehr verschiedene Meinungen hegen, vereinigten sich doch mit gleichgroßem Haß gegen Johann Heinrich Voß, den Rationalisten. Mit diesemNamen bezeichnet man in Deutschland diejenige» Leute, die der Vernunft auchin der Religion ihrer Rechte einräumen, im Gegensatz zu den Supcrnatura-listen, welche sich da, mehr oder minder, jeder Vernunftcrkcnntniß entäußerthaben. Letztere, in ihrem Hasse gegen die armen Rationalisten, sind wie dieNarren eines Narrcnhauses, die, wenn sie auch von den entgegengesetztestenNarrheiten befangen sind, dennoch sich einigermaße» leidlich unter einandervertragen, aber mit der grimmigsten Erbitterung gegen denjenigen Mann er-füllt sind, den sie als ihren gemeinschaftlichen Feind betrachten, und der ebenkein anderer ist als der Irrenarzt, der ihnen die Vernunft wiedergeben will.
Wurde nun die romantische Schule, durch die Enthüllung der katholischenUmtriebe in der öffentlichen Meinung zu Grunde gerichtet, so erlitt sie gleich-zeitig in ihrem eigenen Tempel einen vernichtenden Einspruch, und zwar ausdem Munde eines jener Götter, die sie selbst dort aufgestellt. Nemlich Wolf-gang Goethe trat von seinem Postamente herab und sprach das Verdammniß-urtheil über die Herren Schlegel, über dieselben Oberpricster, die ihn mit soviel Weihrauch umduftet. Diese Skimme vernichtete den ganzen Spuk; dieGespenster des Mittelalters entflohen; die Eulen verkrochen sich wieder in dievbscuren Burgtrümmcr; die Raben flatterten wieder nach ihren alten Kirch-thürmen; Friedrich Schlegel gieng nach Wien wo er täglich Messe hörte undgebratene Hähndel aß; Herr August Wilhelm Schlegel zog sich zurück in diePagode des Bramah.
Offen gestanden, Goethe hat damals eine sehr zweideutige Rolle gespielt,und man kann ihn nicht unbedingt loben. Es ist wahr, die Herren Schlegelhaben cS nie ehrlich mit ihm gemeint; vielleicht nur weil sie in ihrer Polemikgegen die alte Schule auch einen lebenden Dichter als Vorbild aufstellen muß-