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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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seine Vcrse ausspricht. Aber was eben den Vvß so gewaltig auszeichnete, daßist die Kraft womit er gegen alle Schwierigkeiten kämpfte; und er kämpftenicht bloß mit der deutschen Sprache, sondern auch mit jenem jesuitisch aristo-kratischen Ungethüm, das damals aus dem Walddunkel der deutschen Litera-tur sein mißgestaltetes Haupt hervorrcckte; und Voß schlug ihm eine tüchtigeWunde.

Herr Wolfgang Menzel, ein deutscher Schriftsteller welcher als einer derbittersten Gegner von Voß bekannt ist, nennt ihn einen nicdcrsächsischenBauern. Troß der schmähenden Absicht ist doch diese Benennung sehr tref-fend. In der That, Voß ist ein niedersächstscher Bauer, so wie Luther eswar; es fehlte ihm alles Chevallereske, alle Conrtoifie, alle Graziösität; ergehörte ganz zu jenem derbkrästigcn, starkmännlichcn Volksstamme, dem dasChristenthum mit Feuer und Schwert gepredigt werden mußte, der sich erstnach drei verlorenen Schlachten dieser Religion unterwarf, der aber immernoch, in seinen Sitten und Weisen, viel nordisch heidnische Starrheit behal-ten, und in seinen materiellen und geistigen Kämpfen so tapfer und hartnäckigsich zeigt wie seine alten Gotter. Ja, wenn ich mir den Johann Heinrich Voßin seiner Polemik und in seinem ganzen Wesen betrachte, so ist mir als säheich den alten einäugigen Odin selbst, der seine Aasenbnrg verlassen, umSchulmeister zu werden zu Otterndorf im Lande Hadeln, und der da denblonden Holstcinern die lateinischen Deklinationen und den christlichen Catechismus einsiudirt, und der in seinen Nebenstundcn die griechischen Dichterin'S Deutsche übersetzt und von Thor den Hammer borgt, um die Vcrsedamit zurccht zuklvpfcn, und der endlich, des mühsamen Geschäftes über-drüssig, den armen Fritz Stollbcrg mit dem Hammer auf den Kopf schlägt.

Das war eine famose Geschichte. Friedrich, Graf von Stollberg, war einDichter der alten Schule und außerordentlich berühmt in Deutschland, viel-leicht minder durch seine poetischen Talente als durch den Grafentitel, der da-mals in der deutschen Literatur viel mehr galt als jetzt. Aber Fritz Stollbergwar ein liberaler Mann, von edlem Herzen, und er war ein Freund jenerbürgerlichen Jünglinge, die in Gottingen eine poetische Schule stifteten. Ichempfehle den französischen Literaten, die Vorrede zu den Gedichten von Holt«zu lesen, worin Johann Heinrich Voß das idvllische Zusammenleben desDichterbundes geschildert, wozu er und Fritz Stollberg gehörten. Diese bei-den waren endlich allein übrig geblieben von jener jugendlichen Dichtcrschaar.Als nun Fritz Stollbcrg mit Eclat zur katholischen Kirche überging und Ver-nunft und Freihcitsliebc abschwor, und ein Beförderer des Obskurantismuswurde, und durch sein vornehmes Beispiel gar viele Schwächlinge nachlocktc:da trat Johann Heinrich Voß, der alte siebzigjährige Mann, dem eben so altenJugendfreunde öffentlich entgegen und schrieb das Büchlein:Wie ward Fritz

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