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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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richt um nicht zu verhungern, wurde Schulmeister zu Ottcrndorf im LeindeHadeln, übersetzte die Alten, und lebte arm, frugal und arbeitsam bis in seinfünf und siebenzigstes Jahr. Er hatte einen ausgezeichnete» Namen unterden Dichtern der alten Schule; aber die neuen romantischen Poeten zupftenbeständig an seinem Lorbeer, und spöttelten viel über den altmodischen ehrlichenVoß, der in treuherziger, manchmal sogar plattdeutscher Sprache das klein-bürgerliche Leben an der Nicdcrclbe besungen, der keine mittelalterlichen Ritterund Madonnen, sondern einen schlichten protestantischen Pfarrer und seinetugendhafte Familie zu Helden seiner Dichtungen wählte, und der so kern-gesund und bürgerlich und natürlich war, während sie, die neuen Troubadou-ren, so somnambülisch kränklich, so ritterlich vornehm und so genial unnatür-lich waren. Dem Friedrich Schlegel, dem berauschten Sänger der liederlichromantischen Luzinde, wie fatal mußte er ihm sei», dieser nüchterne Voß mitseiner keuschen Louise und seinem alten ehrwürdigen Pfarrer von Grünau!Herr August Wilhelm Schlegel, der es mit der Liederlichkeit und dem Katholi-zismus nie so ehrlich gemeint hat wie sein Bruder, der konnte schon mit demalten Voß viel besser harmonircn, und cS bestand zwischen beiden eigentlich nureine Ilebcrsctzcr-Nivalität, die übrigens für die deutsche Sprache von großemRuhen war. Voß hatte schon vor Entstehung der neuen Schule den Homerüberseht, jetzt übersetzte er, mit unerhörtem Fleiß, auch die übrigen heidnischenDichter des Alterthums; während Herr A. W. Schlegel die christlichen Dich-ter der romantisch katholischen Zeit übersetzte. Beider Arbeiten wurdenbestimmt durch die versteckt polemische Absicht: Voß wollte die klassische Poesieund Denkweise durch seine Ucbersetzungen befördern; während Herr A. W.Schlegel die christlich-romantischen Dichter in guten Ucbcrsctzungen dem Publi-kum, zur Nachahmung und Bildung, zugänglich machen wollte. Ja, derAntagonismus zeigte sich sogar in den Sprachformcn beider Ileberseper.Während Herr Schlegel immer süßlicher und zimperlicher seine Worte glättete,wurde Boß in seinen Uebersctzungcn immer herber und derber, die späterensind durch die hiucingcfcilten Rauhhcilcn fast unaussprechbar: so daß, wennman auf dem blank polirten, schlüpfrigen Mahagoni Parquet der Schlegel-schcn Verse leicht ausglitschte, so stolperte man eben so leicht über die versifizir-tcn Marmorblöcke des alten Voß. Endlich, ans Rivalität, wollte letztererauch den Shakespeare übersetzen, welchen Herr Schlegel in seiner ersten Periodeso vortrefflich ins Deutsche übertragen; aber das bekam dem alten Voß sehrschlecht und seinem Verleger noch schlimmer; die Ucbersetzung mißlang ganzund gar. Wo Herr Schlegel vielleicht zn weich übersetzt, wo seine Versemanchmal wie geschlagene Sabne sind, wobei man nicht weiß, wenn man siezu Munde führt, ob man sie essen oder trinken soll: da ist Voß bart wieStein, und man muß fürchten, sich die Kinnlade zu zerbreche», wenn man