1ÄÄ
großer Unmuth und auflodernder Zorn unicr drn Freunden der Geistcsfrcihcitund des Protestantismus in Deutschland.
Ich bade GcistcSfrcihcit und Protestantismus zusammen genannt; ich hoffeaber, daß mau mich, obgleich ich mich in Deutschland zur protestantischen Kirchebekenne, keiner Partheilichkcit für letztere beschuldigen wird. Wahrlich, ohnealle Partheilichkcit habe ich Geistesfreihcit und Protestautismus zusammen ge-nannt; und in der That, cS besteht in Deutschland ein freundschaftliches Ver-hältniß zwischen beide». Ans jeden Fall sind sie beide verwandt und zwarwie Mutter und Tochter. Wenn man auch der protestantischen Kirche manchefatale Engsinnigkeit vorwirft, so muß man doch zu ihrem unsterblichen Nuhmebekennen: indem durch sie die freie Forschung in der christlichen Religion er-laubt und die Geister vom Joche der Autorität befreit wurden, hat die freieForschung überhaupt in Deutschland Wurzel schlagen und die Wissenschaft sichselbstständig entwickeln können. Die deutsche Philosophie, obgleich sie sich jetztneben die protestantische Kirche stellt, ja sich über sie heben Witt, ist doch immernur ihre Tochter; als solche ist sie immer in Betreff der Mutter zu einer scho-nenden Pietät verpflichtet; und die VerwandtschaftSintcresscn verlangten es,daß sie sich verbündeten, als sie beide von der gemeinschaftlichen Feindin, von demJesuitiSmus, bedroht waren. Alle Freunde der Gedankenfreiheit und der pro-testantischen Kirche, Skeptiker wie Orthodoxe, erhoben sich zu gleicher Zeitgegen die Restauratoren des Katholizismus; und wie sich von selbst versteht,die Liberalen, welche nicht eigentlich für die Interessen der Philosophie oder derprotestantischen Kirche, sondern für die Interessen der bürgerlichen Freiheit be-sorgt waren, traten ebenfalls zu dieser Opposition. Aber in Deutschland wa-ren die Liberalen bis jetzt auch immer zugleich Schulphilosophcn und Theologen,und es ist immer dieselbe Idee der Freiheit, wofür sie kämpfen, sie mögen nunein rein politisches, oder ein philosophisches oder ein theologisches Thema be-handeln. Dieses zeigt sich am offenbarsten in dem Leben des Mannes, derdie romantische Schule in Deutschland schon bei ihrer Entstehung untergrabenund jetzt am meisten dazu beigetragen hat, sie zu stürzen. Es ist JohannHeinrich Boß.
Dieser Mann ist in Frankreich gar nicht bekannt, und doch giebt es wenige,denen das deutsche Volk, in Hinsicht seiner geistigen Ausbildung, mehr ver-dankt als eben ihm. Er ist vielleicht, nach Lcssing, der größte Bürger in derdeutschen Literatur. Jedenfalls war er ein großer Mann und er verdient, daßich nicht allzukärglichen Wortes ihn bespreche.
Die Biographie des Mannes ist fast die aller deutschen Schriftsteller deralten Schule. Er wurde geboren im Jahr j?S1, im Mecklenburgischen, vonarmen Eltern, studirtc Theologie, vernachlässigte sie als er die Poesie und dieGriechen kennen lernte, beschäftigte sich ernsthaft mit diesen beiden, gab Unter-