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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
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gegen den bis zur blödsinnigsten Abtödtung ausgearteten christlichen Spiritua-lismus zu betrachten ist; wie die Wiedererweckung der mittelalterlichen Ro-mantik ebenfalls fiir eine Rcaction gegen die nüchterne Nachahmern der an-tiken, klassischen Kunst gelten kann : so sehen wir seht auch eine Rcaction gegendie Wiedereinführung jener katholisch feudalistischen Denkweise, jenes Rittcr-thums und Pfaffcuthums, das in Bild und Wort gepredigt worden und unterhöchst befremdlichen Umständen. Als ncmlich die alten Künstler des Mittel-alters, die empfohlenen Muster, so hoch gepriesen und bewundert standen, hatteman ihre Vortrcfflichkeit nur dadurch zu erklären gewußt, daß diese Männeran das Thema glaubten, welches sie darstellten, daß sie in ihrer kunstlosen Ein-falt mehr leisten konnten als die späteren glaübenlosen Meister, die es im Tech-nischen viel weiter gebracht, daß der Glaube i» ihnen Wunder gethan; undin der That, wie konnte man die Herrlichkeiten eines Fra Angelico da Fii-soleoder das Gedicht des Bruder Ottfricd anders erklären! Die Künstler alinun,die es mit der Kunst ernsthaft meinten, und die gottvolle Schiefheit jenerWundergemälde und die heilige Unbeholfcnheit jenerWundergcdichtc, kurz dasunerklärbar Mystische der alten Werke nachahmen wollten: diese entschlossensich zu derselben Hyppokrene zu wandern, wo auch die alten Meister ihre mira-kulöse Begeisterung geschöpft; sie pilgerten nach Rom, wo der StatthalterChristi, mit der Milch seiner Eselin, die schwindsüchtige deutsche Kunst wiederstärken sollte; mit einem Worte, sie begaben sich in den Schooß der alleinselig-machenden römisch katholisch apostolischen Kirche. Bei mehreren Anhängernder romantischen Schule bedurfte es keines formellen UebergangS, sie warenKatholiken von Geburt, z. B. Herr Görres und Herr Klemens Brentano,und sie entsagten nur ihren bisherigen sreigeistigen Ansichten. Andere aberwaren im Schooße der protestantischen Kirche geboren und erzogen, z. B.Friedrich Schlegel, Herr Ludwig Tieck, Novalis, Werner, Schüh, CarovS,Adam Müller u. s. w., und ihr Ucbcrtritt zum Katholizismus bedurfte einesöffentlichen Akts. Ich habe hier nur Schriftsteller erwähnt; die Zahl derMaler, die schaarenweis das evangelische GlaubenSbekcnntuiß und die Ver-nunft abschworen, war weit größer.

Wenn man nun sah, wie diese jungen Leute vor der römisch katholi-schen Kirche gleichsam Queue machten, und sich in den alten GeistcSkcrkcrwieder hineindrängten, aus welchem ihre Väter sich mit so vieler Kraft be-freit hatten: da schüttelte man in Deutschland sehr bedenklich den Kopf. Alsman aber entdeckte, daß eine Propaganda von Pfaffen und Junkern, die sichgegen die religiöse und politische Freiheit Europas verschworen, die Hand imSpiele hatte, daß es eigentlich der Jesuitismus war, welcher, mit den süßenTönen der Romantik, die deutsche Jugend so verderblich zu verlocken wußte,wie einst der fabelhafte Rattenfänger die Kinder von Hameln: da entstand