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Der politische Zustand Deutschlands war der christlich altdeutschen Richtungnoch besonders günstig. Roth lehrt beten, sagt das Sprüchwort, und wahr-lich nie war die Roth in Deutschland großer, und daher das Volk dem Beten,der Religion, dem Christcnthum, zugänglicher als damals. Kein Volk hegtmehr Anhänglichkeit für seine Fürsten wie das Deutsche, und mehr noch alsder traurige Zustand worin das Land durch den Krieg und die Fremdherr-schaft gcrathcn, war es der jammervolle Anblick ihrer besiegten Fürsten, diesie zu den Füßen Napoleons kriechen sahen, was die Deutschen aufs unleid-lichste betrübte; das ganze Volk glich jenen treuherzigen alten Dienern ingroße» Häusern, die alle Dcmiithigungeu, welche ihre gnädige Herrschaft er-dulden muß, noch tiefer empfinden als diese selbst, und die im Verborgenenihre kummervollsten Thränen weinen wenn etwa das herrschaftliche Silber-zeug verkauft werden soll, und die sogar ihre ärmlichen Ersparnisse heimlichdazu verwenden, daß nicht bürgerliche Talglichter statt adlicher Wachskerzenauf die herrschaftliche Tafel gesetzt werden; wie wir solches, mit hinlänglicherRührung, in den alten Schauspielen sehen. Die allgemeine Bctrübniß'fandTrost in derNcligion, und es entstand ein pictistisches Hingeben in den WillenGottes, von welcbcm allein die Hülfe erwartet wurde. Und in der That,gegen den Napoleon konnte auch gar kein anderer helfen als der liebe Gottselbst. Auf die weltlichen Hcerschaarcn war nicht mehr zu rechnen, und manmußte vertrauungSvoll den Blick »ach dem Himmel wenden. —
In der Periode, wo dieser Kampf vorbereitet wurde, mußte eine Schule,diedem franzosischen Wesen feindlich gesinnt war, und alles deutsch Volksthüm-liche in Kunst und Leben hervorrühmtc, ihr trefflichstes Gedeihen finden. Dieromantische Schule ging damals Hand in Hand mit dem Streben der Regie-rungen und der geheimen Gesellschaften, und Herr A. W. Schlegel konspirirtegegen Racine zu demselben Ziel, wie der Minister Stein gegen Napoleon kon-spirirte. Tie Schule schwamm mit dem Strom der Zeit, ncmlich mit demStrom, der nach seiner Quelle zurückströmte. Als endlich der deutsche Patrio-tismus und die deutsche Nationalität vollständig siegte, triumphirtc auch defi-nitiv die volksthümlich germanisch christlich romantische Schule, die „neu-tcutsch-religiös-patriotische Kunst." Napoleon, der große Klassiker, der soklassisch wie Alexander und Cäsar, stürzte zu Boden, und die Herren AugustWilhelm und Friedrich Schlegel, die kleinen Romantiker, die eben so roman-tisch Wiedas Däumchen und der gestiefelte Kater, erhoben sich als Sieger.
Aber auch hier blieb jene Ncaction nicht aus, welche jeder Ucbcrtreibung aufdem Fuße folgt. Wie das spiritualistische Christenthum eine Reaction gegendie brutale Herrschaft des imperial romischen Materialismus war; wie die er-neuerte Liebe zur heiter griechischen Kunst und Wissenschaft als eine Reaction