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weichem Goldgrund; —im Lobgcsang auf den heiligen Nnno wird, wie aufaltdeutschen Gemälden, das Beiwerk fast zur Hauptsache und trotz der gran-diosen Anlage ist doch das Einzelne aufs Kleinlichste ausgeführt, und manweiß nicht, ob man dabei die Conzcption eines Niesen oder die Geduld einesZwergs bewundern soll. Ottsried's Evangcliengedichl, das man als dasHauptwerk der heiligen Poesie zu rühmen pflegt, ist lange nicht so ausgezeichnetwie die erwähnten Dichtungen.
In der profanen Poesie finden wir, nach obiger Andeutung, zuerst de» Sa-genkreis der Nibelungen und des Hcldcnbuchs; da herrscht noch die ganze vor-christliche Denk- und Gefllhlswcise, da ist die rohe Kraft noch nicht zum Nit-tcrthnm hcrabgcmildcrt, da stehen noch, wie Steinbilder, die starren Kämpendes Nordens, und das sanfte Licht und der sittigc Athem des Christcnthumsdringt noch nicht durch die eisernen Rüstungen. Aber es dämmert allmählichin den altgermanischcn Wäldern, die alten Götzeneichen werden gefällt und esentsteht ein lichter Kampfplatz, wo der Christ mit dem Heiden kämpft: unddieses sehen wir im Sagenkreis Karls des Großen, worin sich eigentlich dieKrcnzzllge mit ihren heiligen Tendenzen abspiegeln. Nun aber, aus der christ-lich spiritualisirten Kraft, entfaltet sich die eigentümlichste Erscheinung desMittelalters, das Nitterthum, das sich endlich noch sublimirt als ein geistlichesNilterthum. Jenes, das weltliche Ritterthum, sehen wir am anmnthigstrnverherrlicht in dem Sagenkreis des König Arthus, worin die süßeste Galan-terie, die auSgcbildctste Courtoisc und die abenthenerlichste Kampslust herrscht.AnS den süß närrischen Arabesken und phantastischen Blumengebilden dieserGedichte grüßen uns der köstliche Jwain, der vortreffliche Lanzelot vom See,und der tapfere, galante, honette, aber etwas langweilige Wigalois. Nebendiesem Sagenkreis sehen Wirde» damit verwandten und verwebten Sagenkreisvom „heiligen Gral" worin das geistliche Ritlcrthum verherrlicht wird, undda treten uns entgegen drei der grandiosesten Gedichte des Mittelalters, derTiturcl, der Parcival und der Lohengrin; hier stehen wir der romantischenPoesie gleichsam persönlich gegenüber, wir schauen ihr tief hinein in die großenleidenden Augen, und sie umstrickt uns unversehens mit ihrem scholastischenNetzwerk und zieht uns hinab in die wahnwitzige Tiefe der mittelalterlichenMystik. Endlich sehen wir aber auch Gedichte in jener Zeit, die dem christ-lichen Spiritualismus nicht unbedingt huldigen, ja worin dieser sogar frondirtwird, wo der Dichter sich den Ketten der abstrakten christlichen Tugenden ent-windet und wohlgefällig sich hinabtaucht in die Gcnußwelt der verherrlichtenSinnlichkeit; und es ist eben nicht der schlechteste Dichter, der unS das Haupt-werk dieser Richtung, Tristan und Isolde, hinterlassen hat. Ja, ich muß ge-stehen, Gottfried von Straßburg, der Verfasser dieses schönsten Gedichts desMittelalters, ist vielleicht auch dessen größter Dichter, und er überragt noch alle