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sich an dem siegenden Feinde rächen wollen, wie einst der sterbende Ccntanr,der dem Sohne Jupiters das verderbliche Gewand, das mit dem eignen Blutevergiftet war, so listig zu überliefern wußte? Wahrlich, Rom, der Herkulesunter den Völkern, wurde durch das judäische Gift so wirksam verzehrt, daßHelm und Harnisch seinen welkenden Gliedern entsanken, und seine impcra-torischc Schlachtstimmc herabstcchtc zu betendem Pfaffengcwimmcr und Äa-stratengctriller.
Aber was den Grciö entkräftet, das stärkt den Jüngling. Jener Spiri-tualismus wirkte heilsam auf die übcrgcsunden Völker des Nordens; dieallzuvollblütigen barbarischen Leiber wurden christlich vergeistigt; es beganndie europäische Eivilisazion. Das ist eine prciSwürdige, heilige Seite desChristenthums. Die katholische Kirche erwarb sich in dieser Hinsicht die größ^ten Ansprüche auf unsere Verehrung und Bewunderung. Sic hat, durchgroße geniale Institutionen, die Bestialität der nordischen Barbaren zu zähmenund die brutale Materie zu bewältigen gewußt.
Die Kunstwerke des Mittelalters zeigen nun jene Bewältigung der Materiedurch den Geist und das ist oft sogar ihre ganze Aufgabe. Die epischen Dich-tungen jener Zeit könnte man leicht nach dem Grade dieser Bewältigungklassifizircn.
Von lyrischen und dramatischen Gedichten kann hier nicht die Rede sein;denn letztere cristirten nicht, und erstcre sind sich ziemlich ähnlich in jedem Zeit-alter, wie die Nachtigallcnlieder in jedem Frühling.
Obgleich die epische Poesie des Mittelalters in heilige und profane geschiedenwar, so waren doch beide Gattungen ihrem Wesen nach ganz christlich; denn,wenn die heilige Poesie auch ausschließlich das jüdische Volk, welches für dasallein heilige galt, und dessen Geschichte, welche allein die heilige hieß, dieHelden des alten und neuen Testaments, die Legende, kurz die Kirche besang,so spiegelte sich doch in der profanen Poesie das ganze damalige Leben mitallen seinen christlichen Anschauungen und Bestrebungen. Die Blüthe derheiligen Dichtkunst im deutschen Mittelalter ist vielleicht „Barlaam und Josa-phat," ein Gedicht worin die Lehre von der Abncgazion, von der Enthaltsam-keit, von der Entsagung, von der Verschmähung aller weltlichen Herrlichkeitam konsequentesten ausgesprochen worden. Hicrnächst möchte ich den „Lob-gcsang auf den heiligen Anno" für das Beste der heiligen Gattung halten.Aber dieses letztere Gedicht greift schon weit hinaus in's Weltliche. Esunterscheidet sich überhaupt von den ersteren wie etwa ein byzantinisches Hei-ligenbild von einem altdeutschen. Wie auf jeucn byzantinischen Gemälden,sehen wir ebenfalls in Barlaam und Josaphat die höchste Einfachheit, nirgendsist perspektivisches Beiwerk, und die lang mageren, statucuähulichcn Leiber unddie idcalisch ernsthaften Gesichter treten streng abgezeichnet hervor, wie aus