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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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tödten will um den Geist zu verherrliche»; ich spreche von jener Religiondurch deren unnatürliche Aufgabe ganz eigentlich die Sünde und die Hypo-krisie in die Welt gekommen, indem eben, durch die Verdammniß des Fleisches,die unschuldigsten Sinncnfrcudcn eine Sünde geworden, und durch die Un-möglichkeit ganz Geist zu sein die Hypokrifie sich ausbilden mußte; ich sprechevon jener Religion, die ebenfalls durch die Lehre von der Verwerflichkeit allerirdischen Güter, von der auferlegten Hundedcmuth und Engelsgeduld, die er-probteste Stühe des Despotismus geworden. Die Menschen haben jetzt dasWesen dieser Religion erkannt, sie lasse» sich nicht mehr mit Anweisungen aufden Himmel abspeisen, sie wissen daß auch die Materie ihr Gutes hat undnicht ganz des Teufels ist, und sie vindiziren jetzt die Genüsse der Erde, diesesschönen GottrsgartcnS, unseres unveräußerlichen ErbthcilS. Eben weil wiralle Konsequenzen jenes absoluten Spiritualismus jetzt so ganz begreifen,dürfen wir auch glauben, daß die christkatholische Wcltanstcht ihre Endschafterreicht. Denn jede Zeit ist eine Sphynr, die sich in den Abgrund stürzt,sobald man ihr Räthsel gelöst hat.

Keineswegs jedoch läugncn wir hier den Nutzen, den die christkatholischeWcltanstcht in Europa gestiftet. Sie war nothwcndig als eine heilsameNcaction gegen den grauenhaft kolossalen Materialismus, der sich im römi-schen Reiche entfaltet hatte und alle geistige Herrlichkeit des Menschen zu ver-nichten drohte. Wie die schlüpfrigen Memoiren des vorigen Jahrhundertsgleichsam die pibcss justiticntives der französischen Ncvoluzion bilden; wieuns der TcrroriSmus eines llomitö ein snlut public als nothwcndigc Arzneierscheint, wenn wir die Selbstbekenntnisse der französischen vornehmen Weltseit der Regentschaft gelesen: so erkennt man auch die Hcilsamkcit des asccti-schen Spiritualismus, wenn man etwa den Petron oder de» Apulejus gelesen,Bücher, die man als pibces justiüontivss des Christenthums betrachten kann.Das Fleisch war so frech geworden in dieser Nömerwclt, daß es wohl derchristlichen Disciplin bedurfte um es zu züchtigen. Nach dem Gastmahl einesTrimalkion bedurfte man einer Hungerkur gleich dem Christenthum.

Oder etwa, wie greise Lüstlinge durch Nuthenstrciche das erschlaffte Fleischzu neuer Genußfähigkeit aufreizen: wollte das alternde Rom sich mönchischgeißeln lassen, um rafsiuirte Genüsse in der Qual selbst und die Wollust imSchmerze zu finden?

Schlimmer Ueberreiz! er raubte dem römischen Staatskörper die letztenKräfte. Nicht durch die Trennung in zwei Reiche ging Rom zu Grunde;am BosphoroS wie an der Tiber ward Rom verzehrt von demselben jnbäischcnSpiritualismus, und hier wie dort ward die römische Geschichte ein langsamesDahinsterben, eine Agonie die Jahrbundcrtc dauerte. Hat etwa das ge-meuchelte Judäa, indem es den Römern seinen Spiritualismus beschccrtc,