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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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ganzen Feuerwerk ihrer Gcistcsrakcten und brillanten Tollheiten: da ist dasBuch gut und vortrefflich. Sobald sie aber fremden Einflüsterungen gehorcht,sobald sie einer Schule huldigt, deren Wesen ihr ganz fremd und unbegreifbarist, sobald sie durch die Anpreisung dieser Schule gewisse ultramontane Ten-denzen befördert, die mit ihrer protestantischen Klarheit in direktem Wider-spruche sind: da ist ihr Buch kläglich und ungenießbar. Dazu kommt noch,daß sie außer den unbewußten, auch noch bewußte Partheilichkcitcn ausübt,daß sie, durch die Lobpreisung des geistigen Lebens, des Idealismus in Deutsch-land, eigentlich den damaligen Realismus der Franzosen, die materielle Herr-lichkeit der Kaiserperiode, frondircn will. Ihr Buch lls gleichtin dieser Hinsicht der Germania des Tazitus, der vielleicht ebenfalls, durchseine Apologie der Deutschen, eine indirekte Satyre gegen seine Landsleuteschreiben wollte.

Wenn ich oben einer Schule erwähnte, welcher Frau von Stael huldigteund deren Tendenzen sie beforderte: so meinte ich die romantische Schule.Daß diese in Deutschland ganz etwas anderes war, als was man in Frank-reich mit diesem Namen bezeichnet, daß ihre Tendenzen ganz verschieden warenvon denen der französischen Romantiker, das wird in den folgenden Blätternklar werden.

Was war aber die romantische Schule in Deutschland?

Sie war nichts anders als die Wiedererweckung der Poesie des Mittelalters,Wie sie sich in dessen Liedern, Bild- und Bauwerken, in Kunst und Leben,manifestirt hatte. Diese Poesie aber war auS dem Christcnthume hervor-gegangen, sie war eine Passionsblume, die dem Blute Christi entsprossen. Ichweiß nicht ob die melancholische Blume, die wir in Deutschland Passionsblumebenamsen, auch in Frankreich diese Benennung führt, und ob ihr von derVolkssage ebenfalls jener mystische Ursprung zugeschrieben wird. Es ist jenesonderbar mißfarbige Blume, in deren Kelch man die Marterwerkzeuge, diebei der Kreuzigung Christi gebraucht worden, ncmlich Hammer, Zange,Nägel u. s. w. abkonterfeit sieht, eine Blume, die durchaus nicht häßlich, son-dern nur gespenstisch ist, ja deren Anblick sogar ein grauenhaftes Vergnügenin unserer Seele erregt, gleich den krampfhaft süßen Empfindungen, die ausdem Schmerze selbst hervorgehen. In solcher Hinsicht wäre diese Blume dasgeeignetste Symbol für das Christenthum selbst, dessen schauerlichster Reiz ebenin der Wollust des Schmerzes besteht.

Obgleich man in Frankreich unter dem Namen Christenthum nur denrömischen Katholizismus versteht, so muß ich doch besonders bevorwortcn, daßich nur von lehterem spreche. Ich spreche von jener Religion in deren erstenDogmen eine Vcrdammniß alles Fleisches enthalten ist, und die dem Geistenicht bloS eine Obermacht über das Fleisch zugesteht, sondern auch dieses ab-