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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
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Ja, dic Emancipation wird früh oder spat bewilligt werden müssen, ausGerechtigkeitsgefühl, aus Klugheit, aus Notwendigkeit. Die Antipathiegegen die Juden hat bei den obern Classen keine religiöse Wurzel mehr, undbei den untern Classen tranSformirt sie sich täglich mehr und mehr in den so-cialen Groll gegen die überwuchernde Macht des CapitalS, gegen dic Ausbeu-tung der Armen durch dic Neichen. Der Judenhaß hat seht einen andernNamen, sogar beim Pöbel. Was aber die Regierungen betrifft, so sind sieendlich zur hochwcisen Ansicht gelangt, daß der Staat ein organischer Körperist, und daß derselbe nicht zu einer vollkommenen Gesundheit gelangen kann,so lange ein einziges seiner Glieder, und sei es auch nur der kleine Zeh, aneinem Gebreste leidet. Ja, der Staat mag noch so keck sein Haupt tragenund mit breiter Brust allen Stürmen trotzen, das Herz in der Brust und so-gar das stolze Haupt wird dennoch den Schmerz mitempfinden müssen, wennder kleine Zeh an den Hühneraugen leidet dic Judenbcschränkungcn sindsolche Hühneraugen an den deutschen Staatsfüßen.

Und bedächten gar die Regierungen, wie entsetzlich der Grundpfeiler allerpositiven Religionen, die Idee des Deismus selbst, von neuen Doctrinen be-droht ist, wie die Fehde zwischen dem Wissen und dem Glauben überhaupt nichtmehr ein zahmes Scharmützel, sondern bald eine wilde TodcSschlacht sein wird bedächten die Regierungen diese verhüllten Nöthen, sie müßten froh sein,daß es noch Juden auf der Welt giebt, daß die Schwcizcrgardc des Deismus,wie der Dichter sie genannt hat, noch auf den Beineu steht, daß es noch einVolk Gottes giebt. Statt sie von ihrem Glauben durch gesetzliche Beschrän-kungen abtrünnig zu machen, sollte man sie noch durch Prämien darin zustärken suchen, man sollte ihnen auf Staatskosten ihre Synagogen bauen, da-mit sie nur hineingehen, und das Volk draußen sich einbilden mag, es werdein der Welt noch etwas geglaubt. Hütet Euch, die Taufe unter den Judenzu befördern. Das ist eitel Wasser, und trocknet leicht. Befördert vielmehrdie Beschncidung, das ist der Glauben eingeschnitten ins Fleisch; in den Geistläßt er sich nicht mehr einschneiden. Befördert dic Ceremonic der Dcnkrie-men, womit der Glaube festgebunden wird auf den Arm ; der Staat sollte denJuden gratis das Leder dazu liefern, sowie auch das Mehl zu Matzckuchen,woran das gläubige Israel schon drei Jahrtausende knuspert. Fördert, be-schleunigt die Emancipation, damit sie nicht zu spät komme und überhaupt nochJuden in der Welt antrifft, die den Glauben ihrer Väter dem Heil ihrer Kin-der vorziehen. Es giebt ein Sprichwort: Während der Weise sich besinnt,besinnt sich auch der Narr.

Die vorstehenden Betrachtungen knüpfen sich natürlich an die Person, dicich hier zu besprechen hatte, und die, wie ich schon bemerkt, weniger durch in-dividuelle Bedeutung, als vielmehr durch historische und moralische Bezüge,