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jener Gesellschaft zu zählen, welche die oben erwähnte Zeitschrift herausgab,und eben unter dem Namen „Verein für Cultnr und Wissenschaft des Juden-thums" eine hochfliegend große, aber unausführbare Idee verfolgte. Geist-begabte und tiefherzige Männer versuchten hier die Rettung einer längst ver-lornen Sache, und es gelang ihnen höchstens, auf den Wahlstätten derVergangenheit die Gebeine der altern Kämpfer aufzufinden. Die ganzeAusbeute jenes Vereins besteht in einigen historischen Arbeiten, in Geschichts-forschungen, worunter namentlich die Abhandlungen des vr. Zun; über diespanischen Juden im Mittelalter zu den Merkwürdigkeiten der höhern Kritikgezählt werden müssen.
Wie dürfte ich von jenem Vereine reden, ohne dieses vortrefflichen Zunz zuerwähnen, der in einer schwankenden Uebergangsperiodc immer die unerschüt-terlichste Unwandclbarkcit offenbarte, und trotz seinem Scharfsinn, seinerSkepsis, seiner Gelehrsamkeit, dennoch treu blieb dem sclbstgcgebcncn Worte,der großmüthigen Grille seiner Seele. Mann der Rede und der That, hat ergeschaffen und gewirkt, wo Andere träumten und mnthlos hinsanken.
Ich kann nicht umhin, auch hier meinen lieben Bendavid zu erwähnen, dermit Geist und Charakterstärke eine großartig Urbane Bildung vereinigte, undobgleich schon hochbejahrt, an den jugendlichsten Jrrgedankcn des VereinsThcil nahm. Er war ein Weiser nach antikem Zuschnitt, umflossen vomSonnenlicht griechischer Heiterkeit, ein Standbild der wahrsten Tugend, undpflichtgehärtet wie der Marmor des kategorischen Imperativs seines MeistersImmanuel Kant. Bendavid war Zeit seines Lebens der eifrigste Anhängerder kantischen Philosophie, für diese litt er in seiner Jugend die größten Ver-folgungen, und dennoch wollte er sich nie trennen von der alten Gemeinde desmosaischen Bekenntnisses, er wollte nie die äußere Glaubenscocarde ändern.Schon der Schein einer solchen Verläugnung erfüllte ihn mit Widerwillenund Ekel. Lazarus Bendavid war, wie gesagt, ein eingefleischter Kantianer,und ich habe damit auch die Schranken seines Geistes angedeutet. Wennwir von hegcl'scher Philosophie sprachen, schüttelte er sein kahles Haupt undsagte, das sei Aberglaube. Er schrieb ziemlich gut, sprach aber viel besser.Für die Zeitschrift des Vereins lieferte er einen merkwürdigen Aufsatz überden Messiasglauben bei den Juden, worin er mit kritischem Scharfsinn zubeweisen suchte, daß der Glaube an einen Messias durchaus nicht zu denFundamentalartikeln der jüdischen Religion gehöre, und nur als zufälligesBeiwerk zu betrachten sei.
Das thätigste Mitglied des Vereins, die eigentliche Seele desselben, war M.Moser, der vcr einigen Jahren starb, aber schon im jugendlichsten Alter nichtblos die gründlichsten Kenntnisse besaß, sondern auch durchglüht war von demgroßem Mitleid für die Menschheit, von der Sehnsucht, das Wissen zu ver-