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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
Seite
117
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ist ihr Liebling, und die drei Göttincn der Anmuth halten ihm das Tintenfaß,wenn er seine Sonette verfertigt, die er in der Acadeinie der Arcadier mit zier-lichen Cadenzcn recitirt. Er ist ein Kunstkenner, und er braucht nur den Halseiner jungen Sängerin zu betasten, um voraussagen zu können, ob sie einsteine esleberrima cmnwtrioe, eine cklva, eine Wcltprimadonna, sein wird.Er versteht sich auf Antiquitäten, und über den ausgegrabenen Torso einergriechischen Bacchantin schreibt er eine Abhandlung im schönsten Ciceroniani-schcn Latein, die er dem Obcrhanpte der Christenheit, dem xantikox maximem,wie er ihn nennt, ehrfurchtsvoll widmet, lind gar welcher Gemäldckenncr istder Signor Abbatc, der die Maler in ihren Ateliers besucht und ihnen überihre weiblichen Modelle die feinsten anatomischen Beobachtungen mittheilt.Der Schreiber dieser Blätter hätte ganz das Zeug dazu gehabt, ein solcher Ab-bate zu werden und im süßesten ciolos kür uisnte dahin zu schlendern durchdie Bibliotheken, Gallericn, Kirchen und Ruinen der ewigen Stadt, studircndim Genüsse und genießend im Studium, und ich hätte Messe gelesen vor denauserlesensten Zuhörern, ich wäre auch in der heiligen Woche als strengerSittenprediger auf die Kanzel getreten, freilich auch hier niemals in asketischeRohheit ausartend — ich hätte am meisten die römischen Damen erbaut, Undwäre vielleicht durch solche Gunst und Verdienste in der Hierarchie der Kirchez» den höchsten Würden gelangt, ich wäre vielleicht ein mvumgnors geworden,ein Violetstrnmpf, sogar der rothe Hnt konnte mir auf den Kopf fallen — undwie das Sprüchlein heißt i

Es ist kein Pfäfflein noch so klein.

Es möchte gern ein Päpstlcin sein —

so hätte ich am Ende vielleicht gar jene» erhabensten Ehrenposten erklommen— denn obgleich ich von Natur nicht ehrgeizig bin, so würde ich dennoch dieErnennung zum Papste nicht ausgeschlagen haben, wenn die Wahl des Con-clavcs auf mich gefallen wäre. Es ist dieses jedenfalls ein sehr anständigesund auch mit gutem Einkommen versehenes Amt, das ich gewiß mit hinläng-lichem Geschick versehe» konnte. Ich hätte mich ruhig niedergesetzt ans denStuhl Pctri, allen frommen Christen, sowohl Priestern als Laien, das Beinhinstreckend zum Fußknß. Ich hätte mich ebenfalls mit gehöriger Seelen-ruhe durch die Pfeilcrgänge der großen Bafilica in Triumph herumtragenlassen, und nur im wackelndstcn Falle würde ich mich ein Bischen festgeklam-mert haben an der Armlehne des goldncn Sessels, den sechs stämmige car-moifinrothe Cameribren auf ihren Schultern tragen, während nebenher glatz-köpfige Kapuziner mit brennenden Kerzen und gallonirte Lakaien wandeln,welche ungeheuer große Pfaucnwcdel cmporhalten und das Haupt des Kirchcn-fürsten befächcln — wie gar lieblich zu schauen ist aus dem ProcessiouS-Ge-