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5 (1855) Vermische Schriften : erste Abtheilung
Entstehung
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wo ich die hochbetagte Frau, die schon damals achtzigjährig, in Hamburg be-suchte. Eine sonderbare Aeußerung entschlüpfte ihr, als wir von den Schu-len, worin ich meine Knabenzeit zubrachte, und von meinen katholischen Leh-rern sprachen, worunter sich, wie ich jetzt erfuhr, manche ehemalige Mitglie-der des Jesuitenordens befanden. Wir sprachen viel von unscrm alten liebenSchallmcycr, dem in der französischen Periode die Leitung des DüsseldorferLycenms als Rector anvertraut war, und der auch für die oberste Classe Vor-lesungen über Philosophie hielt, worin er unumwunden die frcigeistigstcn grie-chischen Systeme auseinandersetzte, wie grell diese auch gegen die orthodoxenDogmen abstachen, als deren Priester er selbst zuweilen in geistlicher Amts-tracht am Altar fungirte. Es ist gewiß bedeutsam, und vielleicht einst vor denAssisen im Thale Josaphat kann es mir als oircoiistanoe atusnuanto ange-rechnet werden, daß ich schon im Knabenalter den besagten philosophischen Vor-lesungen beiwohnen durste. Diese bedenkliche Begünstigung genoß ich vor-zugsweise, weil der Nector Schallmeper sich als Freund unsrer Familie ganzbesonders für mich intercssirte; einer meiner LZchme, der mit ihm zu Bonnstudirt hatte, war dort sein academischer Pyladcs gewesen, und mein Groß-vater errettete ihn einst aüs einer tödtlichcn Krankheit. Der alte Herr besprachsich deshalb sehr oft mit meiner Mutter über meine Erziehung und künftigeLaufbahn, und in solcher Unterredung war cS, wie mir meine Mutter spaterin Hamburg erzählte, daß er ihr den Rath ertheilte, mich dem Dienst derKirche zu widmen und nach Rom zu schicken, um in einem dortigen Seminarkatholische Theologie zu studircn; durch die einflußreichen Freunde, die derRector Schallmeyer unter den Prälaten höchsten Ranges zu Rom besaß, ver-sicherte er, im Stande zu sein, mich zu einem bedeutenden Kirchcnamte zu för-dern. Als mir dieses meine Mutter erzählte, bedauerte sie sehr, daß sie demRathe des geistreichen alten Herrn nicht Folge geleistet, der mein Naturell früh-zeitig durchschaut hatte und wohl am richtigsten begriff, welches geistige undphysische Klima demselben am angemessensten und heilsamsten gewesen sei»möchte. Die alte Frau bereute jetzt sehr, einen so vernünftigen Vorschlag ab-gelehnt zu haben; aber zu jener Zeit träumte sie für mich sehr hochsliegcndeweltliche Würden, und dann war sie eine Schülerin Rousseau'S, eine strengeDcistin, und es war ihr auch außerdem nicht recht, ihren ältesten Sohn injene Soutane zu stecken, welche sie von deutschen Priestern mit so plumpemUngeschick tragen sah. Sie wußte nicht, wie ganz anders ein römischer Ab-bat? dieselbe mit einem graciöscn Schick trägt und wie coguet er das schwarz-seidne Mäntelchcn achsclt, das die fromme Uniform der Galanterie und derSchöngeisterei ist im ewig schonen Rom.

O, welch ein glücklicher Sterblicher ist ein römischer Abbate, der nicht bloSder Kirche Christi, sondern auch dem Apoll und de» Musen dient. Er selbst