als daß ich nicht dic Riesenhaftigkcit jenes Granitgcbändes erkannt hätte; —nennt eS immerhin die Bastille des Geistes, behauptet immerhin, dieselbewerde jetzt nur noch von Invaliden vcrthcidigt: aber es ist darum nicht minderwahr, daß auch diese Bastille nicht so leicht einzunehmen wäre, und nochmancher junge Anstiirmer an seinen Wällen den Hals brechen wird. AlsDenker, als Mctaphysikcr, mußte ich immer der Conseguenz der römisch-ka-tholischen Dogmatil meine Bewunderung zollen; auch darf ich mich rühmen,weder das Dogma »och den CultnS je durch Witz und Spötterei bekämpft zuhaben, und man hat mir zugleich zu viel Ehre und zu viel Unehre erzeigt,wenn man mich einen Geistesverwandten Voltaire's nannte. Ich war im-mer ein Dichter, und deshalb mußte sich mir die Poesie, welche in der Sym-bolik des katholischen Dogmas und CultnS blüht und lodert, viel tiefer alsandern Leuten offenbaren, und nicht selten in meiner Jünglingszeit uberwäl-tigte auch mich die unendliche Süße, die gchcimnißvoll selige Ucberschwäng-lichkcit und schauerliche Todeslust jener Poesie: auch ich schwärmte manchmalfür dic hochgebcncdeitc Königin des Himmels, die Legende» ihrer Huld unvGüte brachte ich in zierliche Reime, und meine erste Gcdichtrsammlung ent-hält Spuren dieser schönen Madonna-Periode, die ich in spätem Samm-lungen lächerlich sorgsam ausmerzte.
Die Zeit der Eitelkeit ist vorüber, und ich erlaube Jedem, über diese Ge-ständnisse zu lächeln.
Ich brauche wohl nicht erst zu gestehen, daß in derselben Weise, wie keinblinder Haß gegen die römische Kirche in mir waltete, auch keine kleinlicheRancune gegen ihre Priester in meinem Gemütbe nisten konnte: wer meinesatirische Begabniß und die Bedürfnisse meines parodirendcn Ucbermutbskennt, wird mir gewiß das Zeugniß crthcilen, daß ich dic menschlichen Schwä-chen der Clerisci immer schonte, obgleich in meiner später» Zeit die sromm-thuenden, aber dennoch sehr bissigen Ratten, die in den Sacristcicn Bavcrnsand Oesterreichs hcrumraschcln, das verfaulte Pfaffengeschmciß, mich oft ge-nug zur Gegenwehr reizte. Aber ich bewahrte im zornigsten Ekel dennochimmer eine Ehrfurcht vor dem wahren Priestcrstand, indem ick, in die Ver-gangenheit zurückblickend, der Verdienste gedachte, die er sich einst um mich er-warb. Denn katholische Priester waren es, denen ich als Kind meinen erstenUnterricht verdankte; sie leiteten meine ersten Gcistesschritte. Auch in derhöhcrn Unterrichtsanstalt zu Düsseldorf, welche unter der französischen Regie-rung das Loccum hieß, waren die Lehrer fast lauter katholische Geistliche, diesich alle mit ernster Güte meiner Geistesbildung annahmen; seil der preußi-schen Invasion, wo auch jene Schule den preußisch-griechischen Namen Gym-nasium annahni, wnrdc» dic Priester allmählich durch weltliche Lehrer ersetzt.Mit ihnen wurden auch ihre Lehrbücher abgeschafft, dic kurzgefaßte», in latei-